Machen diese Wohnungen krank?

Nils Meyer-Ottens, Sprecher einer Mieterinitiative, fordert Aufklärung über mögliche schädliche Substanzen in Wohnungen der Lehrerbau-Genossenschaft an der Ecke Lokstedter Steindamm / Veilchenweg.

Lokstedt: Streit um Schadstoffe nach Sanierung

Die Sanierung ist längst abgeschlossen, der Streit geht weiter: In einer Wohnanlage der Lehrerbau-Genossenschaft in Lokstedt klagten Mieter nach Bauarbeiten über beißende kleberartige Gerüche in ihren Wohnungen. Sie litten an Kopfschmerzen, Augenreizungen und Heiserkeit. Die Vermutung: Das kommt von der Sanierung der Fassade. Die Außenmauern der Wohnanlage am Lokstedter Steindamm/Ecke Veilchenweg wurden gedämmt. Ging da alles sauber zu?
Helga Boberg (Name geändert) bemerkte bald nach den Arbeiten einen „benzinartigen Geruch“ in ihrem Schlafzimmer. Sie beauftragte einen Gutachter, der in der Luft ihrer Wohnung eine extrem hohe Konzentration von gesundheitsschädlichen Substanzen wie aromatischen Kohlenwasserstoffen oder
Formaldehyd feststellte. Der Gutachter maß Werte, die um das 20-fache über der in Wohnräumen üblichen Konzentration lagen. Die Mieterin schaltete einen Anwalt ein, bekam nach etwa einem halben Jahr eine Ersatzwohnung. Der Streit um die Schadstoffe wird bis heute vor Gericht ausgetragen.
Mieter Nils Meyer-Ottens kritisiert, dass die Genossenschaft äußerst schleppend und erst auf Druck hin aktiv wurde. Wie andere Mieter forderte er Aufklärung und Messungen in allen Wohnungen. „Wir haben Angst um unsere Gesundheit, von der Lehrerbau wird das heruntergespielt, es tut sich nichts.“
Die Genossenschaft widerspricht und verweist auf mehrere Untersuchungen. So wurde in der ehemaligen Wohnung von Helga Boberg keine erhöhte Konzentration von gefährlichen Substanzen festgestellt – bei Messungen ein Jahr nach der ersten Beschwerde. Ergebnis: keine Gesundheitsgefahr. Zu einem ähnlichen Schluss kam ein anderer Experte bei fünf weiteren Wohnungen. Für die Genossenschaft ist der Fall klar: „Die Wohnungen können ohne Einschränkung genutzt werden“, sagt Vorstand Volker Emich. Einzig die ehemalige Wohnung Boberg stehe leer, solange das Gerichtsverfahren noch läuft.
In der Lehrerbau-Wohnanlage leben mehr als 200 Mieter.


Das sagt der Mieterverein zu Hamburg


Der Streit in der Lokstedter Wohnanlage geht um schädliche Substanzen, die sich mit der Zeit verflüchtigen. Ein Nachweis solcher Schadstoffe ist folglich schwierig, je länger man wartet. Zudem ist es schwer nachzuweisen, dass gesundheitliche Beschwerden von den Schadstoffen verursacht werden, so Rolf Bosse, Anwalt beim Mieterverein zu Hamburg. Er kennt den Fall und unterstützt die Sichtweise der Mieterinitiative. „Ich hätte mir mehr Transparenz und mehr Offenheit von der Genossenschaft gewünscht. Am besten hätte jede Wohnung überprüft werden sollen.“ Dafür sah die Genossenschaft aber keinen Anlass. CV
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