Lesbische Frauen: Der Kampf um Gleichberechtigung ist noch nicht gewonnen

Vor einigen Jahren gingen sie auf die Straße, heute demonstrieren Hamburger Lesben nur noch ungern: Der Aktionstag „Keine Gewalt gegen Lesben/Frauen“ endete damals mit einem Überfall mit Geiselnahme. (Foto: pr)

Verein Intervention Hamburg besteht seit 30 Jahren – eine Bilanz

Sabine Deh, Karolinenviertel – TV-Moderatorin Anne Will und Professorin Miriam Meckel sind das Vorzeigepaar. „So schön sieht Liebe zwischen Frauen aus“, schrieb die „Bunte“, als die Prominenten ihre Beziehung öffentlich machten. Die Gesellschaft scheint sehr viel toleranter geworden zu sein, doch die Frauen an der Basis haben andere Erfahrungen gemacht. „Aus Angst vor Diskriminierung outen sich lesbische Frauen nicht in der Öffentlichkeit und auch nicht am Arbeitsplatz oder in ihrer Nachbarschaft“, weiß Bea Trampenau, Geschäftsführerin des Lesbenvereins Intervention im Karolinenviertel. Kürzlich feierte der Verein sein 30-jähriges Bestehen.
Trampenau ist Gründungsmitglied, sie kann beurteilen, wie weit die Gesellschaft ist, wenn sich ein lesbisches Pärchen ganz offen auf der Straße küsst. „Es herrscht derzeit eine Schein-Toleranz“, findet auch Karin Klipp. Die Sozialpädagogin betreute bis Mai 2012 das Projekt „Lesben und Alter“. „Für viele Frauen liebende Seniorinnen ist die Vorstellung, in einem traditionellen Altenheim zu landen, ein Albtraum“, sagt die 47-Jährige. Gerade für diese Gruppe seien Beratungsangebote sehr wichtig. Die rund 30 Frauen, die regelmäßig zu ihr kamen, musste sie allerdings wieder nach Hause schicken. Die Justizbehörde, die das Projekt finanziert hatte, will das Geld anderweitig ausgeben. „Aus unserer Sicht nahmen zu wenige Seniorinnen das Angebot wahr“, begründet Behördensprecherin Pia Böert diesen Entschluss.
Die Kosten für die Angebote an ältere Lesben wurden dem Verein jetzt umgewidmet in das neue Projekt „Kontakt und Informationszeit“, für das die Gleichstellungsstelle der Justizbehörde 15.000 Euro bewilligte. Mit diesem Geld soll der Lesbenverein ein Netzwerk knüpfen und durch „Präsenz für mehr Akzeptanz in der Öffentlichkeit sorgen“.
Allen Widrigkeiten zum Trotz will sich der Verein auch in Zukunft mit aller Kraft für die Rechte der Lesben einsetzen.
Infos: http://www.intervention-hamburg.de

Immer wieder Angriffe

Gegen den Verein Intervention gab es immer wieder offene Angriffe: 1998, als die Frauen Räumlichkeiten in der wenig belebten Mathildenstraße im Karoviertel bezogen hatten. Innerhalb von 15 Monaten wurde elf Mal eingebrochen. Der Aktionstag „Keine Gewalt gegen Frauen/Lesben“ endete mit einen Überfall mit Geiselnahme. Kurz darauf konnte der Verein mit den Projekten „JungLesbenZentrum“ und „LesbenTreff“ in die Glashüttenstraße umziehen. Dort fühlen sich die Frauen gut aufgehoben, der Kampf gegen die gesellschaftlichen Windmühlen sei aber nicht leichter geworden, so Gründungsmitglied Bea Trampenau.
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