Leben mit HIV: "Man wird sofort beurteilt"

Antonia B. (Name geändert) lebt seit 13 Jahren mit HIV. In der Beratungsstelle „Vhiva Kids ­– Familienleben mit Aids“ wird sie untertützt in ihrem Kampf gegen die Krankheit.

Vorurteile, Ängste, Diskriminierung: Eine HIV-Infizierte erzählt

Sie kann noch lachen, laut, offen, herzlich. Man weiß manchmal nicht so recht, ob das nun echt ist oder eine Art Galgenhumor. Antonia B. (Name geändert) ist HIV positiv. Seit 13 Jahren lebt sie mit der Gefahr, dass die Immunschwächekrankheit AIDS bei ihr ausbricht. Aber sie hat vor allem zwei Dinge nicht verloren: ihren Mut und eine gehörige Portion Humor.
Antonia B. kann nichts für ihre Krankheit. Sie wurde von ihrem Mann angesteckt, der ein Verhältnis mit einer anderen Frau hatte. Ein Schock. Als sie von der Infektion erfuhr, waren ihre Kinder sechs und acht Jahre alt. Die beiden Söhne sind nicht infiziert. „Nur der Kinder wegen habe ich mich gewöhnt, sie geben mir Mut zum Leben“, sagt die 46-Jährige. Heute sind die Söhne erwachsen. Antonia B. muss seit Jahren kämpfen. Gegen Vorurteile, gegen Diskriminierung, gegen das Nichtwissen der Gesunden.
Neulich verweigerte ein Arzt ihr eine Rücken-Operation, weil er in ihrer Akte sah, dass sie HIV positiv ist. „Er sagte, dann müsse alles im OP desinfiziert werden und der Raum dürfe sechs Stunden nicht benutzt werden.“ Aber das müsse doch nach jeder Operation gemacht werden, so Antonia B. Sie kennt die Regeln, sie ist selbst Krankenschwester. Zu viel Aufwand? Ausreden? Sie wundert sich darüber, dass diejenigen, die es besser wissen müssten, Angst haben. „Ich müsste doch Angst haben, mich anzustecken.“
Immer wenn sie Menschen von ihrer Krankheit erzählt, wird es unangenehm. „Es fragen alle: Wie hast Du es bekommen?“ Die meisten denken wahrscheinlich an Drogen- oder Sexgeschichten. „Man wird sofort beurteilt.“ Sie wünscht sich mehr Verständnis für Betroffene.
Wenn sie von schweren Momenten in den vergangenen Jahren erzählt, muss Antonia B. immer wieder tief durchatmen. Unterstützt und aufgefangen haben sie die Mitarbeiter der Beratungsstelle „Vhiva Kids – Familienleben mit Aids“ in Eimsbüttel (siehe Extra-Text hier). Von Bekannten oder Freunden kann sie keine Hilfe erwarten. „Die glauben das zum Teil nicht, niemand glaubt das.“ Antonia B. musste bisher keine Medikamente nehmen. Aber sie macht sich Sorgen, wenn das doch nötig sein sollte. „Ich habe panische Angst, wie das Leben dann wird.“
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.