„Lasst uns diesen schönen Hof!“

Der Innenhof ist das Herzstück des Wohnblocks aus den 1920er Jahren – doch hier soll gebaut werden. Mieter wehren sich dagegen. (Foto: pr)
 
Wollen weiter im Hof spielen: Konstantin (5, l.) und Lovis (3).
Hamburg: Moorkampblock |

Moorkamp/Hohe Weide: Bewohner wehren sich gegen Baupläne

Angriff, Tor! Fünf Jungs spielen Fußball zwischen Sandkasten und Wäscheleine, zwei Mädchen klettern auf den Ästen der Bäume empor. Krabbelkinder spielen im Sandkasten, während die Eltern auf der Bank sitzen und mit Nachbarn plaudern. Der Hof des Moorkampblocks ist ein grünes Paradies für Kinder und ein Treffpunkt für die Bewohner. Gut 350 Menschen, darunter 75 Kinder, haben hier eine grüne Freizeitfläche direkt vor der Nase. So etwas gibt es kaum noch in Eimsbüttel. Doch es könnte bald vorbei sein mit der Idylle.
Die Wohnungsbaugesellschaft Rebien, Eigentümer des Blocks zwischen Felix-Dahn-Straße, Hohe Weide, Gorch-Fock-Straße und Moorkamp, will bauen. Etwa 80 neue Wohnungen plant Rebien in zwei viergeschossigen Neubauten im Innenhof, in Anbauten sowie in ausgebauten Dachgeschossen. Eine Tiefgarage soll im Hof entstehen, alles wird aufgerissen und umgegraben. „Nach dem Umbau wird vom Herzstück der Anlage – unserem Hof – fast nichts mehr übrig bleiben“, befürchtet Mieter Constantin von Westphalen. „Viel Lebensqualität wird genommen, und die Preise steigen.“

Im Neubau kostet der Quadratmeter wohl 13 Euro

Schon jetzt hebe Rebien Mieten im Block an. Die Neubauten würden nicht günstig: „Es geht hier, so viel wir wissen, weder um Sozialwohnungen noch um erschwingliche Mieten“, so von Westphalen. Preise im Neubau liegen laut Mieterverein in Eimsbüttel etwa zwischen elf und 13 Euro (Kaltmiete). Rebien nennt keine Zahlen, betont aber, dass etwa die Hälfte der Bewohner im Moorkampblock derzeit noch unter 8,30 Euro Kaltmiete zahle. Es ist eine Anlage, die sich vor allem Familien und auch Studenten noch leisten können.
Die Hofgemeinschaft will mit Eigentümer Rebien ins Gespräch kommen. „Wir sind nicht gegen jegliche Bebauung, aber wir
wollen darüber reden, wie eine sozialverträgliche Lösung für
alle zu finden ist“, so von Westphalen. Vom Eigentümer heißt es bisher dazu: „Von der Mieterinitiative Hofgemeinschaft wurde uns keine auto-
risierte Vertretungs- und Ansprechperson benannt“, so Geschäftsführer Thomas Niemuth.

Eigentümer: "Machen keine Luxussanierung"


Die Wohnungsbaugesellschaft Rebien habe die geplanten Bauten gemeinsam mit der Eimsbütteler Stadtplanung „so verträglich wie irgend möglich“ entwickelt, betont Geschäftsführer Thomas Niemuth. Ein Drittel der Hoffläche sei derzeit nicht nutzbar, weil dort Garagen und Zufahrten seien. Auch diese Fläche – etwa 1.200 Quadratmeter – würde dem Hof zugeschlagen. Nach dem Umbau gebe es sogar 400 Quadratmeter nutzbares Grün mehr, inklusive zweier Spielplätze. Werden Wohnungen teuer? Zu Preisen sagt Niemuth nichts. „Wir machen keine
Luxussanierung und haben nicht vor, Bestandsmieter zu vertreiben“, betont er. Sozialwohnungen zu bauen sei jedoch nicht der Ansatz von Rebien.

Mieterverein: „Pläne zu massiv“

Rolf Bosse vom Mieterverein zu Hamburg will in dem Konflikt vermitteln. „Der Vermieter Rebien muss einen sachlichen Dialog mit den Bewohnern führen“, fordert der Rechtsanwalt. Die Einwände gegen die Vermieterpläne hält er für berechtigt: „Der Innenhof verträgt eine solche Bebauung nicht, das ist zu massiv.“ Dem Vermieter sollte die Zufriedenheit der Bewohner eines Quartiers wichtig sein, daher hofft er auf Gesprächsbereitschaft bei Rebien.
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3 Kommentare
39
Bernd Reibschläger aus Stellingen | 14.09.2016 | 15:42  
72
Peter Gutzeit aus Eimsbüttel | 16.09.2016 | 16:45  
6
Johannes B. aus Eimsbüttel | 19.09.2016 | 18:15  
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