Kurz besetzt – bald wird abgerissen

Einst Landsitz reicher Bürger, nun eingekeilt von neuen Häusern: Die Tage der Villa aus dem 19. Jahrhundert sind gezählt, bis Ende April wird das Haus abgerissen

Protestaktion in der Weidenallee 53/55: Was aus einem Gründerzeithaus wird

Seine Tage sind gezählt, niemand wohnt mehr hier. Bald kommen die Abrissbagger. Aber kurz vor dem Ende wurde es noch einmal lebendig in dem Gründerzeithaus in der Weidenallee 53/55. Eine Gruppe Akti-
visten besetzte das Haus kurzzeitig. Unter dem Motto „Kein Abriss unter dieser Nummer“ stieg eine kleine Party im Haus und auf der Straße, es gab Infos zur Geschichte der markanten Villa und zum Leerstand in Hamburg. Als die Polizei mit einem massiven Aufgebot an-
rückte, zogen die Besetzer ab.
Nun schaffen die Eigentümer Fakten. Der Abriss wird vorbereitet, voraussichtlich bis Ende April wird nichts mehr von dem „Schlösschen“ an der Weidenallee übrig sein. An dessen Stelle entsteht ein fünfgeschossiger Neubau mit Tiefgarage. „Es handelt sich nicht um den Bau von Eigentumswohnungen. Es entstehen zwölf Mietwohnungen und zwei Gewerbeeinheiten, die langfristig im Bestand einer Hamburger Familie verbleiben werden“, heißt es vom beauftragten Imobiliendienstleister Bauwerk Hamburg. Im Juli soll der Bau beginnen, im Sommer 2014 sollen die ersten neuen Mieter einziehen.
Als die Abrisspläne vor gut zwei Jahren bekannt wurden, gehörte das Haus noch Lukas Lenz. Der Rechtsanwalt hatte die Villa 15 Jahre zuvor aus einer Zwangsverwaltung erworben. Nun gibt es einen neuen Eigentümer: Lenz verkaufte an eine Hamburger Familie, die namentlich nicht genannt werden möchte.
Nach wie vor gibt es unterschiedliche Sichtweisen über den Zustand des Hauses. Währen die Besetzer meinen, dass die Wohnungen „gut erhalten“ sind und „einfach saniert“ werden könnten, sagt der Chef von Bauwerk Hamburg, das Haus sei „völlig im Eimer“ und erfülle nicht die modernen energetischen Standards. Klar ist: Die Villa wird fallen.
Offen ist noch, wer in die geplanten Gewerbeflächen im Erdgeschoss einziehen wird. Die Spielhalle kommt nicht wieder rein, heißt es bei Bauwerk Hamburg. Mit dem portugiesischen Café laufen Gespräche.
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