Kundenfang an der Haustür

Klingelmethode: Im Wettbewerb um Kunden und Verträge rücken Unternehmen Bürgern immer mehr auf die Pelle. Foto: panthermedia

Telekom schickt Verkäufer von Tür zu Tür – worauf Verbraucher achten müssen

Carsten Vitt, Eimsbüttel

Es klingelt an der Tür. Ist das etwa schon das bestellte Päckchen? Nein, es ist die Telekom. Auf Kundenfang im Viertel. Im Auftrag des Telefonriesen ziehen Mitarbeiter derzeit von Tür zu Tür. Manche Anwohner fühlen sich da überrumpelt. Ein Beispiel aus Stellingen.
Vor kurzem stand bei Karin Schütte ein Telekommitarbeiter vor der Tür. „Er hat mir erklärt, dass demnächst eine Umstellung der Netzanbieter stattfindet, da die Telekom die Netzfaserkabel finanziert hat. Dann wird mein Internet schneller“, erzählt sie. Mit ihrem Vertragsanbieter sei das abgesprochen, habe der Mann ihr versichert. Karin Schütte ist Kundin bei O2 – und will das auch bleiben. Ihr sollte ein neuer Router zugeschickt werden, den der Mitarbeiter dann anschließen wollte. „Und mein Vertrag mit meinem Anbieter wird automatisch von der Telekom übernommen, hatte der Mitarbeiter mir gesagt“, so Karin Schütte.
Die Stellingerin war vorgewarnt: Sie hatte im Elbe Wochenblatt gelesen, wie eine Eimsbütteler Seniorin einen neuen Router und Vertrag von der Telekom bekommen hatte, obwohl sie nichts beauftragt hatte. Die Telekom machte den Vertrag damals stillschweigend rückgängig.
Karin Schütte schrieb an O2, die Telekom, und informierte – vorsorglich – die Polizei. Sie machte klar: Sie will keinen neuen Router und keinen Vertrag bei der Telekom. „Was sind denn das für Machenschaften?“, fragt sie entrüstet.
Die Werbemasche ist kein Einzelfall. Aus Eimsbüttel haben zuletzt mehrere Anwohner geschildert, dass Mitarbeiter des Branchenriesen von Tür zu Tür ziehen und mit ähnlichen Argumenten wie bei Karin Schütte Verträge verkaufen wollen. Eine legale Methode, die allerdings bei vielen Leuten nicht gut ankommt: Auch in Internetforen der Telekom beklagten sich Kunden über diese „Drückermethoden“.
Anfrage an die Telekom: Setzt das Unternehmen auch aktuell Mitarbeiter auf Haustürgeschäfte an? „Ja“, antwortet daraufhin die Firma Ranger, die „seit vielen Jahren autorisierter Vertriebspartner der Deutschen Telekom“ ist. Die Vertriebler seien „am Outfit der Deutschen Telekom zu erkennen und weisen sich entsprechend mit einem Lichtbildausweis und einem Autorisierungsschreiben aus“, so Ranger-Sprecherin Julia Büttner.
Ein Tipp: Wer sich fragt, ob es echte Verkäufer oder Gauner sind, sollte sich auf alle Fälle die Ausweise zeigen lassen. 

Das rät die Verbraucherzentrale:

Wie sollten Kunden auf Vertragsangebote an der Haustür reagieren?
„Nicht vorschnell unterschreiben. Lassen Sie sich die Angebotsunterlagen aushändigen, prüfen Sie diese in Ruhe, schlafen Sie eine Nacht drüber und dann erst unterschreiben. Widerrufen, wenn vorschnell unterschrieben und bereut“, rät Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Worauf ist zu achten, wenn es um neue Verträge geht?
„Grundsätzlich immer gucken, ob das Angebot passt. Es kann auch eine gute Gelegenheit sein, einen anderen Anbieter zu suchen“, so Rehberg.

Müssen Kunden akzeptieren, dass sie neue Technik – in der Regel Router – bekommen, weil die klassischen Analog-Anschlüsse umgestellt werden? Oder geht das auch anders?

„Neue Technik erfordert unter anderem neue Hardware. Ein Router muss aber nicht vom Anbieter gekauft oder gemietet werden. Das Gerät kann auch von anderem Unternehmen erworben werden.“
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1 Kommentar
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Peter Wulf aus Altona | 25.10.2017 | 13:26  
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