Koschere Lebensmittel sind gefragt

Kaffee, Milch, Sesampaste: Christian Krampitz, Leiter des Edeka-Marktes in der Grindelallee, präsentiert Koscheres aus dem Regal. (Foto: cvs)

Immer mehr Geschäfte bieten Waren gemäß jüdischen Speiseregeln an

Christopher von Savigny, Grindel – Alle paar Wochen lässt sich vor der Synagoge in der Hohen Weide ein besonderer Einkauf beobachten. Menschen mit großen Taschen scharen sich um einen Lieferwagen mit tschechischem Kennzeichen, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Üblicherweise werden die Einkäufe gleich tütenweise fortgetragen.
Ein Händler aus Prag steuert in unregelmäßigen Abständen Hamburg und andere Städte an, um jüdische Gemeinden mit koscheren Lebensmitteln zu beliefern. Der Rabbiner Shlomo Bistritzky, Leiter des jüdischen Bildungszentrums in der Rentzelstraße, unterstützt den Vertrieb und Verkauf von Waren, die nach jüdischer Vorschrift hergestellt wurden. „Es ist ein Beitrag zur Traditionspflege“, sagt er. „Je größer das Angebot ist, desto mehr wird gekauft.“ Resultat: Innerhalb der letzten Jahre sind die Einkaufsmöglichkeiten für Hamburger Juden sprunghaft angestiegen. Das Geschäft „Lechaim“, ebenfalls in der Rentzelstraße, führt mehr als 100 koschere Produkte im Sortiment, weiterhin existieren eine Bäckerei, die koschere Backwaren unters Volk bringt, sowie ein jüdischer Cateringservice. Auch der Edeka-Markt in der Grindelallee hat koschere Lebensmittel in sein Sortiment aufgenommen. Ein Bauernhof in Rellingen beliefert den Supermarkt mit koscherer Milch.
Die jüdischen Speisegesetze („Kaschrut“) sind kompliziert: Erlaubt ist nur das Fleisch von wiederkäuenden Tieren mit zweigespaltenen Hufen (Rindern, Ziegen, Schafen), die nach besonderen Regeln „geschächtet“ wurden. Die Milchherstellung unterliegt strengsten Reinheitsvorschriften und wird von einem jüdischen Geistlichen beaufsichtigt. Keinesfalls dürfen Milch und Fleisch gleichzeitig verzehrt werden, auch die Aufbewahrung muss getrennt erfolgen.
Mit den neuen Läden gebe es nun die Möglichkeit, relativ unkompliziert an koschere Lebensmittel zu kommen, sagt Bistritzky. Zumindest, was Fleisch und Milchprodukte angehe. Das genüge auch, denn: „Nur ein kleiner Prozentsatz orthodoxer Juden lebt ausschließlich nach den jüdischen Speisegesetzen.“
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