Konzerthaus für die Schanze?

Ein Foto aus dem Jahr 1989: Damals regte sich Protest im Schanzenviertel, als am Schulterblatt ein Musicalhaus gebaut werden sollte. Nun werden ähnliche Pläne aus der Schublade geholt: Flora-Besitzer Klausmartin Kretschmer benatragte ein Riesen-Konzerthaus mit bis zu 2.500 Plätzen. Heißt es bald „Gib Kretschmer keine Schanze“? (Foto: Sammlung Klaus Karszat)

Eigentümer Klausmartin Kretschmer beantragt ein Riesen-Konzerthaus – Bezirkspolitiker winken ab, Rote Flora kündigt Widerstand an

Ein großer Konzertsaal soll am Schulterblatt entstehen. Bis zu 2.500 Plätze, dazu Restaurants, Büros, eine Kita in einem sechsgeschossigen Bau. So jedenfalls stellen sich Klausmartin Kretschmer, Eigentümer der Roten Flora, und Projektentwickler Gert Baer die Zukunft des autonomen besetzten Hauses im Schanzenviertel vor. Kommt einem irgendwie bekannt vor? Ja! Ende der 80er Jahre brachte der In-vestor Friedrich Kurz das Viertel in Aufruhr, als anstelle des ehemaligen Konzerthauses Flora ein riesiger Musicalbau entstehen sollte. Das war der Zündfunke für die Besetzung der Flora, die 1989 zur Roten Flora wurde.
Kretschmer versucht mit seinem jetzigen Vorstoß wieder Land zu gewinnen im zuletzt für ihn recht aussichtslosen Poker um die Flora. 2001 kaufte er der Stadt für 370.000 Mark das Gebäude ab – und hielt dem Senat damals Ärger vom Hals. Über den Umgang mit der besetzten Flora gab es immer wieder Zoff. Aber den möglichen Aufruhr der Autonomen bei einer Räumung wollte keiner riskieren.
Das will die Stadt im Prinzip auch heute nicht. Nur heizt Kretschmer von Zeit zu Zeit dieses Szenario an – nach Ansicht von Beobachtern, um den Preis für seine Immobilie nach oben zu treiben. Denn Kretschmer will aus dem alten Deal nun offenbar etwas herausholen. Als Käufer kommt aber eigentlich nur die Stadt in Frage, weil jemand anderes mit der Flora kaum etwas anfangen kann.
Zum einen gilt eine Veränderungssperre für das Gebiet rundherum. Zum anderen wird gerade ein Bebauungsplan erstellt, der das Flora-Areal für ein Stadtteilzentrum – so, wie es ist – sichern soll. Zwar gibt es Zweifel, ob das alles wasserdicht ist. Mark Classen, Planungsexperte der Altonaer SPD, ist sich aber sicher: „Kretschmers Pläne sind nicht genehmigungsfähig, sie widersprechen dem B-Plan.“ Seine Fraktion werde das ablehnen. Classen wertet das Ganze als „eine abstruse Geschichte mit Schmierentheaterqualität“.

Doch kein Verkauf?


Im August schlugen die Nutzer und Sympathisanten der Roten Flora Alarm: Besitzer Kretsch-mer habe das Gebäude vermietet oder verkauft. Die Rotfloris-ten tippten auf Projektent-
wickler Gert Baer als neuen Investor. Dieser bestreitet, Mieter oder Käufer zu sein. Aber bei den neuen Flora-Plänen spielt der Kretschmer-Berater offenbar eine Schlüsselrolle.
Das Duo Baer/Kretschmer will den Bebauungsplan (B-Plan) Sternschanze 7 kippen. Diesen brachte die Altonaer Bezirkspolitik auf den Weg, um die Nutzung der Flächen rund um die Flora im Prinzip zu konservieren.
Baer und Kretschmer halten den B-Plan für rechtswidrig, sehen darin Willkür und eine „Enteignung“ des Flora-Besitzers. Notfalls wollen sie bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen, um den Erlass zu stoppen.
Das Flora-Kollektiv zu den neuen Plänen: „Genau wie seinerzeit Friedrich Kurz mit seinem Musicalabenteuer, so werden auch Gert Baer und die hinter ihm stehenden Investoren Schiffbruch erleiden. Nach 24-jähriger nichtkommerzieller Nutzung des Hauses als besetztes politisches Projekt steht dessen Fortbestand nicht im Ansatz zur Disposition.“
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