Konflikt um Marktfläche

Anwohner setzen sich für den Markt am Schlump ein.
 
Händler Helmut Buhr hofft, dass er und die anderen Marktleute ihre Stände am angestammten Platz behalten können. Fotos: cv
Hamburg: U Schlump |

U-Bahnhof Schlump: Händler und Anwohner protestieren gegen Leihauto-Pläne der Hochbahn

Carsten Vitt, Eimsbüttel

Wohnungsbau, Radfahrstreifen, Parkplätze, Grünanlagen: Im dicht bebauten Eimsbüttel gibt es immer wieder Konflikte, wenn Flächen anders genutzt werden sollen als zuvor. Jüngstes Beispiel ist der Streit um die Marktfläche an der U-Bahn-Station Schlump. Das Bezirksamt Eimsbüttel und die Hochbahn verfolgen ihre Pläne aus dem Jahr 2013 weiter, eine Mietwagenstation in der Gustav-Falke-Straße einzurichten (das Elbe Wochenblatt berichtete). Marktleute und Anwohner wollen den Markt am angestammten Platz behalten und schlagen vor, die Autos an anderer Stelle zu parken.
Montags und donnerstags bieten knapp ein Dutzend Händler ihre Waren in der Gustav-Falke-Straße an. Der seit gut 60 Jahren bestehende Markt ist in den vergangenen Jahrzehnten geschrumpft, behauptet sich aber weiterhin. Das Angebot schätzen viele treue Stammkunden, darunter viele Ältere, für die es die einfachste Möglichkeit zum Einkaufen ist.
Die Hochbahn will acht Dauer-Stellplätze für Leihwagen am liebsten auf der Marktfläche bauen. Die Händler müssten dann etwa 20 Meter weiter ihre Stände aufbauen. Marktleute und Anwohner befürchten Einbußen. „Die Sichtbarkeit ist für uns entscheidend“, sagt Markt-obmann Helmut Buhr. Nur so käme nämlich außer den Stammkunden auch genug Laufkundschaft . „Es ist ein Unding, wenn ein kleiner Wochenmarkt verdrängt wird.“
Die Hochbahn beschwichtigt: Das Unternehmen suche „ergebnisoffen“ nach einer geeigneten Fläche im Umfeld der Haltestelle. Klar ist aber: Die bisherige Marktfläche ist erste Wahl. Die Argumente sind die gleichen wie die der Händler: Das Angebot muss gut sichtbar sein, damit es möglichst vielen Kunden auffällt.
Die Anwohner haben bisher gut 1.600 Unterschriften für den Verbleib des Markts an Ort und Stelle gesammelt. Bezirksamt und Hochbahn wollen im Juni zu einer Veranstaltung einladen, in der die bisherige Standortsuche für Parkplätze vorgestellt und diskutiert werden soll.

Wohin mit den Leihautos?

Unter dem Namen „Switch“ (bedeutet in etwa: umsteigen) baut die Hochbahn seit 2013 Leihwagenstationen, um das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) zu ergänzen. Partner sind die Firmen car2go (Mercedes), Drivenow (BMW) und das Carsharingunternehmen cambio. Die Stationen entstehen an stark genutzten Bahnstationen, zum Beispiel am Dammtor, am Bahnhof Altona, am Berliner Tor, am Hauptbahnhof oder am Bahnhof Harburg. Das Kalkül: Mit Leihwagen soll HVV-Kunden eine Alternative zum eigenen Auto geboten werden. Die Haltestelle Schlump nutzen täglich etwa 67.000 Menschen.
Anwohner sind skeptisch gegenüber dem neuen Leihauto-Angebot in ihrer Straße. Für die Station am Schlump haben sie Alternativen vorgeschlagen: Zum Beispiel könnten die Wagen an der Schäferkampsallee, der Schröderstiftstraße oder auf einem nahegelegenen Parkplatz des Hamburger Sportbunds (HSB) stehen. Diese Möglichkeiten sind aus Sicht der Hochbahn alle nicht optimal, der HSB-Parkplatz stehe zudem nicht zur Verfügung. Einzig ein Parkstreifen hinter den Busbuchten in der Gustav-Falke-Straße könnte für das Unternehmen akzeptabel sein. Aber damit sind wiederum die Anwohner nicht einverstanden, die möglichst keinen weiteren Verkehr in ihrer Straße haben wollen.
Für Unmut sorgt dabei auch, dass die Parkplätze in der Gus-tav-Falke-Straße von vielen Pendlern aus dem Umland genutzt werden, die am Schlump vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen. Anwohner haben häufig Probleme, einen Parkplatz zu finden.
Laut Hochbahn nutzen bisher etwa 2.200 Abonnenten die „Switch“-Option. Ob das Angebot zusätzliche Kunden angelockt hat oder zu einer Abnahme von Privatautos geführt hat, ist bisher nicht bekannt.

Kommentar: Gemüse statt Blech
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Peter Meyer aus Eimsbüttel | 11.05.2017 | 14:52  
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