Kleingärten: Mehr als eine Salatbar

Fachberater Manfred Görke (v.l.), Techniker Horst Jenssen, Vereinshaus-Kassenführerin Regina Haack, Vorsitzender Hans-Jürgen Haack und Kassiererin Renate Jenssen freuen sich über das 100-jährige Jubiläum des Kleingartenvereins. (Foto: fh)

Kleingartenverein Eimsbüttel feierte 100. Geburtstag

Frauke Heiderhoff, Lokstedt – Früher mussten kinderreiche Familien hier Lebensmittel anbauen, um etwas zu essen zu haben. Heute ist Gemüseanbau ein Hobby, Kleingärten sind Erholungsräume in der Großstadt. Der Kleingartenverein Eimsbüttel am Veilchenstieg wurde vor einem Jahrhundert gegründet, aktuell zählt der Club 220 Mitglieder. „Wir wünschen uns, dass der Verein mindestens weitere 100 Jahre existiert“, so Dirk Sielmann, Vorsitzender des Landesbundes der Gartenfreunde.
Kleingärten böten Menschen die Möglichkeit, die Natur mit allen Sinnen wahrzunehmen. Gleichzeitig seien die grünen Lungen in der Stadt Erholungs- und Erlebnisraum.
„Wir haben den Garten gepachtet, weil unsere kleinen Kinder dort spielen konnten“, erinnert sich der Vorsitzende Hans-Jürgen Haack daran, warum er überhaupt eine Laube mietete. Vereinskassiererin Renate Jenssen hatte ähnliche Gründe: „Es ging uns darum, einen Ausgleich zur Stadtwohnung zu haben und Freundschaften zu pflegen.“ Insgesamt sehen sie ihren Verein als Ort „ungeschmälerten Freizeitgenusses“ mit dem sich wieder verstärkenden Trend zum Eigenanbau von Gemüse und Obst.
Die Mitglieder erzählen sich gerne Anekdoten. Eine ist die Geschichte von dem als sparsam bekannten Gartenfreund Karl Wiesner: Werner Donath schaute 1985 bei Wiesner vorbei, um eine fällige Zahlung zu kassieren. Wiesner öffnete nicht, Donath rief die Polizei. Gemeinsam mit zwei Polizisten fand er Wiesner tot im Bett. In einer Tüte entdeckte Donath Geldscheine: insgesamt 120 000 Mark – ein Vermögen. Die Polizisten nahmen das Geld an sich. Donath fragt sich bis heute, was aus der hübschen Summe geworden ist, denn der Verstorbene hatte keine Angehörigen.
Aktuell fürchten die Kleingärtner die Begehrlichkeiten von Immobilienwirtschaft, Handelskammer, Behörden und politischen Parteien. Noch unbebaute Flächen sind begehrt, vor allem für den Wohnungsbau. „Wir Kleingärtner lassen sie aber nicht einfach ran, besonders dann nicht, wenn die Flächen als Grünflächen ausgewiesen sind“, verspricht Sielmann.

Der Verein

Heute hat der Verein 167 Parzellen, während der 50er Jahre waren es sogar bis zu 960 Parzellen. Die Gärten sind zwischen 300 und 400 Quadratmetern groß. Im Laufe der Zeit mussten immer mehr Kleingartenflächen dem Wohnungsbau weichen. Auch wenn dafür Ausgleichsflächen am Stadtrand geschaffen wurden, hat sich die Zahl der Parzellen in Eimsbüttel stark reduziert. Mehr Informationen zur Geschichte gibt es in der beim Verein erhältlichen Jubiläumsbroschüre.
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