Kinderstube Altona: Rauswurf nach 40 Jahren

Der Auszug steht bevor: Einrichtungsleiterin Silke Decker mit einigen Kita-Kindern. (Foto: cvs)

Eigentümerwechsel: Kita in der Schanze wurde überraschend gekündigt

Christopher von Savigny, Sternschanze

Jungs und Mädchen schreien durcheinander, springen auf Matten herum und rennen um die Wette: Es herrscht mächtig Betrieb in der Kita „Kinderstube Altona“ in der Bartelsstraße. Doch schon in wenigen Monaten soll damit Schluss sein: Die Einrichtung, die vor gut 40 Jahren als eine der ersten Hamburger Elterninitiativen an den Start ging, hat eine Mietkündigung zum Jahresende erhalten.
„Für uns ist das eine Katastrophe, da wir überhaupt nicht damit gerechnet hatten“, sagt Leiterin Silke Decker. Die 1974 gegründete „Kinderstube“ ist nun händeringend auf der Suche nach einer neuen Bleibe – möglichst nah und möglichst güns-tig. „Wir wissen, wie schwierig das ist“, sagt Decker.

Neuer Eigentümer will Haus abreißen lassen

Hintergrund für den Rausschmiss ist ein Eigentümerwechsel: Der neue Besitzer möchte das von außen recht heruntergekommene Gebäude abreißen und durch Wohnungen ersetzen lassen. Sämtlichen Mietern im Haus – unter anderem zwei Galerien, mehrere Künstlerateliers und ein Tonstudio – wurde gekündigt. „Wir hatten eigentlich ein ganz gutes Verhältnis zu unseren Vermietern, deshalb waren wir so überrascht“, berichtet Decker.
Besonders ärgerlich: Erst im vergangenen Sommer hatte die Kita für rund 7.000 Euro ihre Elektrik neu installieren lassen, neue Teppiche verlegt und die Holzgerüste renoviert. Kürzlich war der Flur gestrichen worden. „Wir wollten gerade anfangen, auch die Toiletten zu renovieren. Das war wirklich haarscharf!“, sagt Decker.

Schulkinder müssen sich zweimal umgewöhnen

Silke Decker tut es vor allem leid für die Kinder, die demnächst in die Schule kommen. „Sie müssen sich für ein halbes Jahr an ein neues Umfeld gewöhnen, um dann gleich wieder eine Veränderung zu erfahren“, sagt sie.
Den Bauherrn – die „Objektgesellschaft Bartelsstraße 65“ aus Oststeinbek – konnte das Wochenblatt nicht erreichen. Auch die früheren Besitzer, die Geschwister Ulrike und Verena Romanow, wollten am Telefon keinen Kommentar abgeben.

Kinderstube Altona
In der „Kinderstube“ kümmern sich zurzeit vier Erzieher um 17 Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren. Die Einrichtung, die aus einem Projekt für Suchtprävention hervorgegangen ist, verzichtet bewusst auf vorgefertigtes Spielzeug (Lego, Modellautos), um die Fantasie der Kinder anzuregen. Konflikte werden auf der „Klärcouch“ besprochen. Jeder Kita-Tag beginnt mit einer „Kinderversammlung“ und einer gemeinsamen Tagesplanung.
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