Kiffen erlauben – was dagegen?

Kiffen ist weitverbreitet – Hamburgs Senat versucht mit mehr Polizei gegen Dealer und Konsumenten vorzugehen. Fachleute bezweifeln, dass das etwas bringt. (Foto: Panthermedia)
 
Plädiert für die Freigabe sogenannter weicher Drogen: „Wenn man wegen fünf Gramm schon verurteilt werden kann, dann führt das zur Kriminalisierung“, sagt Wolf Buchaly (Stadtteilbeirat Sternschanze). (Foto: cvs)

Drogenpolitik: Fachleute fordern kontrollierten Verkauf von Cannabis & Co, unter anderem um den Dealern den Markt zu entziehen

Ch. v. Savigny, Sternschanze/St. Pauli

Gemeinsam für die Legalisierung von Drogen: In der Ganztagsgrundschule Sternschanze haben sich letzte Woche über 250 Fachleute und Interessierte aus ganz Deutschland und der Schweiz getroffen, um über die Freigabe von Hasch und Co. zu diskutieren. Vorrangiges Ziel der Veranstalter ist die Entkriminalisierung des Drogenmarkts, die zu einem geregelten Verkauf von bislang verbotenen Rausch- und Suchtmitteln führen soll. „Verbotspolitik schadet mehr als sie nützt, und sie stürzt unzählige Konsumierende, Abhängige und Angehörige seit Jahrzehnten in elende Lebensumstände und potenziert die Krankheits- und Todesgefahren des Drogenkonsums“, sagte Anke Mohnert von der Eimsbüttler Suchtberatungsstelle Palette. Nach Angaben der Organisatoren war es die
erste derartige Veranstaltung bundesweit.
So soll das Konzept der Drogenfreigabe funktionieren: Sogenannte „Fachgeschäfte“, möglicherweise auch Apotheken, wären demnach künftig für Handel und Verkauf zuständig. Sowohl Anbieter als auch Vertrieb müssten lückenlos überwacht werden. Besteuerung oder Preisbindung sollen Wucher verhindern. Mikroskopische Identifizierungspartikel („Microtaggants“) in den Substanzen könnten nach Meinung der Befürworter dabei helfen, ein Produkt zurückzuverfolgen und auf diese Weise den Schwarzhandel zu unterbinden. Professor Heino Stöver (Institut für Suchtforschung Frankfurt) brachte das Stichwort „Drogenmündigkeit“ ins Spiel: „Jeder muss seine eigene Haltung zum Thema Drogen entwickeln – anders geht es nicht.“

Hamburg ist der größte Cannabis-Markt im Norden


Die Hotspots für Drogenhandel im Hamburger Westen heißen Florapark, Schanzenpark und Reeperbahn. Auch an der Hafenstraße gab es zuletzt massive Polizeieinsätze gegen afrikanische Kleindealer – dafür mussten sich die Beamten im Anschluss Rassismus-Vorwürfe gefallen lassen.
Wolf Buchaly (Stadtteilbeirat Sternschanze), einer der Organisatoren der Tagung: „Vor vier Jahren hat es angefangen, dass immer mehr Dealer in den Parks unterwegs waren. Letztlich hat das den Ausschlag gegeben, ein solches Treffen zu veranstalten.“ Nach Meinung von Buchaly ist Hamburg „der größte Markt für Cannabis in ganz Norddeutschland“.

Das Beispiel Florapark


Der Florapark zwischen Schulterblatt und Lippmannstraße ist fest in der Hand von Dealern, vor allem nachts. Überwiegend weiche Drogen wie Haschisch und Marihuana werden hier verkauft. Immer wieder gibt es Konflikte und gewalttätige Auseinandersetzungen unter Verkäufern. Viele Anwohner meiden den Park und fordern, dass sich etwas ändert. Kontrollierte die Polizei häufiger, wichen die Dealer auf andere Ecken aus, und kamen dann wieder. Auch die Anläufe zur Belebung des Parks mit Veranstaltungen brachten keine Wende. Voriges Jahr beschloss die rot-grüne Koalition in Altona, im Rahmen eines Modellprojekts weiche Drogen legal vor Ort zu verkaufen – ein Vorschlag, den der Stadtteilbeirat Sternschanze schon vor Jahren machte. Die gesetzlichen Hürden sind aber hoch. Die Gesundheitsbehörde lehnte den Vorschlag ab, in der Bürgerschaft wird über einen neuen Anlauf diskutiert.

Sagen Sie uns Ihre Meinung!


Sind Sie für einen kontrollierten Verkauf von Drogen? Oder muss es andere Lösungen geben?
Schreiben Sie uns!
Wochenblatt-Redaktion
Stichwort „Legalisierung“
Harburger Rathausstraße 40, 21073 Hamburg
Fax 040/85 32 29 39
E-Mail: post@wochenblatt-redaktion.de
Betreff: Legalisierung
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.