Kein Swing-Abend mehr?

Findet die Gema-Reform ungerecht: „Mandalay-Chef“ Leif Nüske. (Foto: cvs)

Gema-Tarifreform: Vor allem Diskos zahlen drauf – das Beispiel „Mandalay“

Christopher von Savigny, Sternschanze – Etwas versteckt, aber beliebt bei Eingeweihten: Im Hochparterre eines alten Bankhauses am Neuen Pferdemarkt ist der Club „Mandalay“. Viermal pro Woche – mittwochs bis sonnabends – legen DJs hier auf, an drei Tagen Soul und House, der Mittwoch ist für Swing-Abende reserviert. Doch wegen erhöhter Gebühren fürs Musikabspielen steht ein Abend auf der Kippe.
Wenn im nächsten Frühjahr die Gebührenreform der „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte“ (Gema) in Kraft tritt, muss das Mandalay mit rund 40 Prozent Mehrkosten pro Monat rechnen. Künftig sind dann 572 Euro statt bisher 344 Euro Gema-Gebühren pro Monat fällig. „Das sind keine Dimensionen, die einen umbringen“, sagt Betreiber Leif Nüske. „Aber es empört mich, dass die Gema so schlecht informiert.“
Die wichtigste Änderung: Aus bislang elf Tarifen für Musikveranstaltungen sollen im nächsten Jahr zwei werden. Die Gema unterscheidet dann nur noch zwischen Livemusik und DJ-Veranstaltungen. Die bisher üblichen Pauschalbeträge fallen weg, künftig werden alle Veranstaltungen einzeln abgerechnet. Die Abgaben orientieren sich an der Größe des Veranstaltungsorts und an der Höhe des Eintrittsgelds. Begründet wird das neue System mit einer Vereinfachung des Tarifdschungels. Dass Clubs und Diskotheken dann stärker zur Kasse gebeten werden, hält Gema-Sprecherin Katharina Reindlmeier für normal. „Mit ihren Pauschalverträgen hatten sie eine Sonderstellung, sie haben viel zu wenig gezahlt“, sagt sie. Besonders teuer wird es offenbar für viele Diskos und Clubs auf der Reeperbahn: Einige von ihnen müssten 200.000 statt bisher 20.000 Euro pro Jahr zahlen. Deutlich güns-tiger kommen laut Gema kleine Live-Clubs weg.
Das „Mandalay“ nimmt keinen Eintritt. „Vielleicht führen wir einen kleinen Gema-Aufschlag auf Getränke ein“, kündigt Nüske an. Aufgrund des Wegfalls der Pauschalbeträge muss der Club jetzt jede Veranstaltung genau durchkalkulieren. Gefährdet ist der Swing-Mittwoch. „Es wird überhaupt nicht berücksichtigt, dass wir wichtige Außenarbeit für den Swing betreiben“, ärgert sich Nüske.
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