Kein Strom, Todesfälle: "Hüsung" spielt trotzdem weiter!

Wann? 14.10.2011 19:30 Uhr

Wo? Hamburg-Haus, Doormannweg 12, Hamburg DE
Szene aus „Senioren-WG“, einer der erfolgreichen früheren Produktionen der Volksspielbühne Hüsung. Foto: pr
Hamburg: Hamburg-Haus |

Die Volksspielbühne Hüsung gibt es seit 100 Jahren

Von Sören Reilo, Eimsbüttel – Stromausfälle, keine Probenräume, ein Schauspieler stirbt nach der Premiere – die Geschichten hinter dem Theatervorhang sind genau so lebensnah wie der Stoff, den die Volksspielbühne Hüsung auf die Bühne bringt. Seit 100 Jahren gibt es das Laientheater nun. Am Freitag ist Premiere für das Jubiläumsstück (siehe Kasten).
Wie begann alles? „Hüsung“, wie alle Kenner die Gruppe kurz nennen, wurde am 5. September 1911 in Eppendorf gegründet. Der Name lehnt sich an das Plattdeutsche Stück „Keen Hüsung“ (Keine Heimat) von Fritz Reuter an. Der „Dramatische Verein“, wie er damals noch hieß, war zunächst einige Jahre in Ohlsdorf zu Hause, dann für fast 50 Jahre, von 1946 bis 1994, im Gemeindehaus der Bugenhagenkirche in Barmbek. Seit 1994 ist das Hamburg-Haus in Eimsbüttel die Spielstätte der „Volksspielbühne Hüsung“, wie sie sich seit 1934 nennt.
Ein Jahrhundert Theater in Zahlen: Das sind etwa 1.230 Aufführungen, bei denen mehr als 200 verschiedene Stücke gezeigt wurden – Klassiker wie „Sluderee in Treppenhus“, „Rund um Kap Horn“ oder „Mien Mann de fohrt to See“ von Wilfried Wroost.
Und auch so manch kuriose Szenen gab es: „Gäste hatten uns einmal ihr Baby an der Garderobe abgegeben. Die Eltern wollten so gerne die Vorstellung in Ruhe ansehen. Unsere Garderobendamen fanden es klasse, war doch mal was anderes“, erinnert sich Nicola Wohlert, die seit vielen Jahren dabei ist.
Ein Schaupieler verstarb nach der Premiere. Was tun? „Ein anderer hat sich die Nacht über den Text reingezogen, bis kurz vor Beginn geübt. Und die restlichen Vorstellungen hat er dank der Mitspieler, die ihn ab und an in die richtige Richtung schoben, wirklich gut über die Bühne gebracht“, so Wohlert.
Ein anderes Mal fiel der Strom aus. Da gab ein Schauspieler im Dunkeln spontan mehrere plattdeutsche Gedichte zum Besten, damit die Gäste nicht unruhig wurden. Strom gab es über Stunden nicht, die Aufführung wurde später nachgeholt.
Bei „Hüsung“ sind etwa 70 Mitglieder aktiv, drei Stücke bringt das Ensemble im Jahr auf die Bühne.


„Gastweert Goebel“ - das aktuelle Stück

Gastwirt Goebel (Gerhard Menck) lebt mit seiner Frau Grete (Ute Peise) und seiner Tochter Lina (Christin Kiel) in Poppenbüttel. Er ist geizig und tyrannisiert seine gesamte Familie. Seine Tochter Lina will er unbedingt mit einem reichen Bauernsohn verheiraten und so eine gute Partie machen. Sie aber hat sich in Malermeister Butenschön (Hauke Leist) aus Hamburg verliebt, von dem Goebel rein gar nichts hält. Genug Stoff für turbulente Verwick-lungen.
Aufführungen: Freitag, 14. Oktober; Donnerstag/Freitag, 20./21. Oktober, jeweils um 19.30 Uhr, Karten (8 Euro) können bei Hilde Mewes unter 632 23 48 reserviert werden.
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