Kein Geld mehr - Aus für ein Vorzeigeprojekt?

Timo Kohorst dolmetscht für Lars Bruhn und Jürgen Homann (v.l.). Im vergangenen Jahr wurde das ZeDiS vom Behindertenbeauftragten des Bundes ausgezeichnet. Ob es 2013 weiterbesteht, ist unklar. (Foto: ar)

Zukunft des Zentrums für Disability Studies (ZeDiS) ist ungewiss

Anne Rose, Eimsbüttel – Überfüllte Seminare, laute Hörsäle: Studieren kann sehr anstrengend sein. Studenten mit einer Behinderung stehen dabei noch vor zusätzlichen Herausforderungen. Unter dem Motto „Bildung und Chancengleichheit für alle: Für einen barrierefreien Zugang zu den Hochschulen“ bietet das Zentrum für Dis-ability Studies, kurz ZeDiS, barrierefreie Lehrveranstaltungen, Seminare und eine Ringvorlesung an. Als Projekt besteht das ZeDiS seit Dezember 2005 an der Universität Hamburg, doch seine Zukunft ist derzeit unsicher (siehe unten).
Disability Studies (man könnte es mit „Studien zu Behinderungen“ übersetzen) sind ein relativ junger Wissenschaftsansatz, der Behinderung nicht als rein medizinisches Phänomen, sondern vor allem gesellschaftlich betrachtet. „Eine Beeinträchtigung wird nicht durch die individuelle Besonderheit zur Behinderung, sondern durch die sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen“, erklärt Lars Bruhn, Mitbegründer des ZeDiS und selbst vor 13 Jahren ertaubt. „Barrierefreiheit wird dabei nicht als exklusives Konzept für Behinderte verstanden, alle sollen profitieren.“ Eine schriftliche Mitschrift der Vorlesung etwa helfe allen Studenten.
„Nicht die Betroffenen müssen sich ändern, sondern die Bedingungen müssen sich anpassen“, erklärt der seit Geburt hörbehinderte ZeDiS-Mitbegründer Jürgen Homann. „Behinderung entsteht in der Interaktion mit der Umwelt – durch Barrieren. Ein Beispiel: die zwar schicken, freischwebenden Treppen im Uni-Hauptgebäude, die mit einem Blindenstock nicht zu erkennen sind und darum eine echte Gefahr darstellen."
Langfristig ist die Etablierung eines eigenen Studiengangs geplant, ein weiteres großes Ziel ist das „Lehrhaus für Alle“: ein vollständig barrierefrei zugängliches und multifunktional nutzbares Unigebäude. „Der Hörsaal könnte sich mehrmals pro Woche in einen Kinosaal verwandeln. Mit verschiebbaren Reihen für Rollstuhlfahrer“, so Homann. „Und durch Untertitel müsste auch ich nicht mehr warten, bis ein Film auf DVD herauskommt.“ Sehr wichtig wäre auch ein barrierefreies Restaurant. „In direkter Uni-Nähe gibt es derzeit nicht ein barrierefreies Angebot“, so Bruhn.

Kein Geld mehr fürs Zentrum?

Ein von allen Seiten gelobtes Projekt – doch die zukünftige Finanzierung des Zentrums ist unklar. Für 2013 fehlen dem ZeDiS offenbar 270.000 Euro. Projektleiterin Gerlinde Renzelberg möchte sich zu Details derzeit nicht äußern, es liefen noch Rettungsgespräche. CV
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