Karolinenviertel: Streit um ein Vertriebenendenkmal

Mit einer Gedenktafel vor dem alten „Haus der Heimat“ will der LdV-Vorsitzende Willibald Piesch an Vertriebene erinnern. „Hamburg hat kein Zentraldenkmal“, sagt er. (Foto: cvs)

Geplante Bronzetafel für Vertriebene stößt auf Skepsis im Quartier

Von Christopher von Savigny, Karolinenviertel – Ist der Karolinenplatz der richtige Ort für eine Gedenktafel für Vertriebene des Zweiten Weltkriegs? Darüber wird derzeit im Stadtteil und im Bezirk Mitte diskutiert. Hintergrund: Der Landesverband der vertriebenen Deutschen (LdV) in Hamburg möchte vor seinem ehemaligen Vereinssitz, dem alten „Haus der Heimat“ neben der Gnadenkirche, eine entsprechende Plakette anbringen lassen. „1949 hat der Hamburger Senat das Gebäude den Neubürgern – Flüchtlingen, Vertriebenen und Aussiedlern – als Beratungs- und Anlaufstelle überlassen. Bis zum Auszug 2005 gelang es, fast 250.000 Hilfesuchende zu betreuen“, berichtet der LdV-Vorsitzende Willibald Piesch. „Wir betrachten es daher als
historischen Auftrag, mit einer Gedenktafel darauf hinzuweisen.“
Geplant ist laut LdV eine 85 Kilo schwere Bronzetafel, die an einem zwei Meter hohen Steinblock angebracht wird. Zu sehen sind fünf Flüchtlinge – zwei Frauen, zwei Männer und ein Kind. Die Inschrift soll „Unseren Vertriebenen“ lauten. Mit einem Zusatztext will der Verein an die Trümmerfrauen der Nachkriegszeit erinnern. Die Fläche neben dem Gebäude gehört der Stadt. Für die Kosten – laut Piesch geht es um einen „fünfstelligen Betrag“ – will der Verein selbst aufkommen.
Mit der Angelegenheit befasst sich jetzt der Cityausschuss der Bezirksversammlung Mitte: „Grundsätzlich sehen wir die Sache positiv“, sagt Ausschussmitglied Jutta Kodrzynski (GAL). „Aber es wird überlegt, ob es nicht einen passenderen Ort gäbe.“ Denn das Haus der Heimat, das seit 2005 der Orthodoxen Kirche gehört, werde demnächst abgerissen. „Das neue Haus hat dann nichts mehr mit den Vertriebenen zu tun“, so Kodrzynski.
Auch die Anwohner sind nicht überzeugt: „Falscher Ort, falsche Adressaten“, sagt Ingolf Göritz vom Sanierungsbeirat im Karoviertel. „Die Leute, die hier wohnen, haben keinen Bezug zum Thema. Sinnvoller wäre eine Gedenktafel beim Sitz des Vereins in der Straße Teilfeld am Michel.“
Einen ersten Vor-Ort-Termin Anfang Februar hatte das Bezirksamt Mitte wegen „Klärungsbedarf“ abgesagt. Nun hat der Cityausschuss den Vertriebenenverband zu seiner nächsten Sitzung Ende März eingeladen. Dort soll es auch um die Größe des Findlings und die genaue Inschrift gehen. Die Sitzung ist öffentlich (Mittwoch, 28. März, 18 Uhr, Sitzungssaal 1. Stock, Klosterwall 4, City-Hof, Block B).

Ist ein Denkmal für Vertriebene an dieser Stelle passend? Oder ist es an einem anderen Ort sinnvoller? Hinterlassen Sie hier einen Kommentar oder mailen Sie uns! E-Mail: post@wochenblatt-redaktion.de, in den Betreff: „Denkmal Karolinenviertel“
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