„Jüdisches Leben ist Alltag geworden“

Die Synagoge Hohe Weide ist heute das geistige Zentrum der jüdischen Gläubigen: Kantor Arieh Gelber, ein jüdischer Junge und Rabbiner Shlomo Bistritzky bei einer Bar-Mitzwa-Feier (v.l.) Foto: Gesche Cordes (Foto: Gesche Cordes)
Eimsbüttel - Räume mit Geschichte gibts fast an jeder Ecke: Zu Besuch in der Rutschbahn 11a. In dem etwas versteckten Hinterhof im Grindelviertel steht ein langgezogener zweigeschossiger Bau. Von außen schlicht, innen sind prächtige Details teilweise noch original erhalten. Boden- und Badfliesen aus der Bauzeit Anfang des 20. Jahrhunderts. Hier war mal eine Synagoge. Heute arbeiten Heilpraktiker in dem Gebäude.
Michael Studemund-Halévy schaut neugierig in den großen Saal mit prächtigen Dielen und schmucken schweren Holztüren. Es sind solche Räume, die er sichtbar machen möchte mit seinem neuen Buch „Im jüdischen Hamburg“. Der Wissenschaftler und Kenner jüdischer Geschichte und Stätten hat ein handliches, praktisches Lexikon verfasst. Knapp und präzise werden Bauten, Menschen, deren Geschichten und Schicksal vermittelt. Obwohl die Nationalsozialisten viele jüdische Bauten zerstört und beschädigt haben, ist noch viel erhalten. Auch den Zweiten Weltkrieg überstanden etliche Bauwerke. „Besonders im Grindel-Viertel ist noch viel zu sehen – mehr, als man denkt“, sagt der Autor. Mit seinem „Stadtführer von A bis Z“ will er eine Lücke schließen: „Es ist ein Buch für alle, eine umfassende Übersicht auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand.“
Das Büchlein ist handlich und somit ein guter Begleiter für einen Rundgang zu jüdischen Stätten in der Nachbarschaft. Mehr als 400 Bilder – teils historische Fotografien, Zeichnungen und großartige Fotos vom jüdischen Leben heute – machen das Werk anschaulich. Es gibt einen alphabetischen Lexikonteil und zwei ausführliche Rundgänge – einer durchs Grindelviertel, das ehemals das Zentrum der jüdischen Gläubigen in Hamburg war.
Und heute? In den vergangenen Jahren etablierte sich eine neue jüdische Stadtkultur – mit Cafés, Läden, Schulen, Kindergärten. Von einer „blühenden Renaissance“ mag der Experte nicht sprechen. „Aber es ist Alltag eingezogen, jüdisches Leben ist zu einer wunderbaren Normalität geworden“, sagt Studemund-Halévy.

Der Autor:
Michael Studemund-Halévy (63) ist Mitarbeiter am Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Eimsbüttel. Sein Spezialgebiet: die spanisch-jüdische Geschichte. Aktuell forscht er zur Historie des jüdischen Friedhofs an der Königstraße in Altona. CV

Das Buch:
Im jüdischen Hamburg
Ein Stadtführer von A bis Z
Dölling und Galitz Verlag
ISBN 978-3937904-97-9
Preis: 19,90 Euro
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