Jetzt wird gefeiert

Ralf Helling leitet den Verein Lenzsiedlung seit sieben Jahren als Geschäftsführer. Foto: CVS
 
Lebt seit über vier Jahrzehnten in der Lenzsiedlung: Ingeborg Morch (79). Foto: CVS

Verein Lenzsiedlung ist seit 40 Jahren für Lokstedter da – Angebote trotz knapper werdender Kassen

Ch. v. Savigny, Lokstedt

Das kleine, gelbe Holzhaus steht immer noch da. Schon damals, Anfang der 1980er-Jahre, war es ein Treffpunkt für die junge Generation – und ist heute immer noch in Betrieb. Mittlerweile befindet sich das Jugendhaus ein bisschen versteckt hinter der Außenstelle des Rauhen Hauses und schräg hinter dem Café Büchner und dem Bürgerhaus, die erst später gebaut wurden. Nimmt man alles zusammen, bekommt man den Verein Lenzsiedlung, der in den 1970er-Jahren aus einer Anwohnerinitiative entstand. Im Juli wird der 40. Geburtstag gefeiert (siehe unten).

Vereinsgebäude sind Treffpunkte für Bewohner

Für die rund 3.000 Bewohner der Hochhaussiedlung bilden die Vereinsgebäude in der Julius-Vosseler-Straße einen Anlauf- und Lebensmittelpunkt: Angeboten werden Computer- und Deutschkurse, Tanz- und Musikprojekte sowie soziale Hilfen und Beratungen. Zusammen mit dem „Lenztreff“ organisiert das Rauhe Haus die soziale Arbeit mit Kindern und Familien. Regelmäßig informiert die Nachbarschaftszeitung „LenzLive“ über das Neueste aus der Siedlung. Zehn hauptamtliche Mitarbeiter kümmern sich darum, dass der Laden läuft. Gefördert wird der Verein von der Sozialbehörde und vom Bezirksamt.
In den vergangenen Jahren musste der Verein auch harte Einschnitte verkraften: 2012 kündigte die Behörde Kürzungen im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit an, was heftige Proteste zur Folge hatte. „Das hat uns natürlich sehr getroffen, weil wir wissen, wie wichtig Fördermaßnahmen gerade auf diesem Gebiet sind“, sagt Geschäftsführer Ralf Helling. Betroffen war unter anderem das Musikprojekt. Glücklicherweise sprangen Sponsoren ein. „Wir kriegen zwar nicht jedes Jahr das Geld zusammen, das wir eigentlich brauchen, aber bislang läuft es gut“, so Helling. Neuerdings kümmert sich der Verein verstärkt um generationsübergreifende Angebote, gemeinsame Ausflüge und Reisen von Jüngeren und Älteren zum Beispiel.
Jetzt stehen größere Reparaturen an. „Nach einem Wasserschaden im Bürgerhaus hat sich herausgestellt, dass auch die anderen Gebäude Sanierungsbedarf haben“, berichtet Helling. Die veranschlagte Summe beläuft sich demnach auf 1,7 bis 2,5 Millionen Euro.

Ingeborg Morch (79) lebt seit 41 Jahren im Viertel



Der erste Eindruck muss überwältigend gewesen sein: drei Zimmer, Küche, Bad! 84 Quadratmeter! Zentralheizung! Badewanne!. „Das war schon etwas Besonderes“, sagt Ingeborg Morch (heute 79) rückblickend. Im Jahr 1976 war die gebürtige Leipzigerin zusammen mit ihrem Mann und ihrem 15-jährigen Sohn in die neue Wohnung in der Julius-Vosseler-Straße eingezogen. Neunter Stock, mit Aussicht auf die Stellinger Kleingartensiedlung „Hammonia“, in der die Familie viele Sommertage verbringen sollte, die allerdings heute nicht mehr existiert.
Seit 41 Jahren lebt Ingeborg Morch nun im Stadtteil. Es gefällt ihr hier, auch wenn sie sagt: „Früher gab es mehr Gemeinschaft.“ Hintergrund: Im Verlauf der Jahre seien mehr und mehr Ausländer eingezogen. „Ich habe nichts gegen Ausländer“, sagt sie. Ganz im Gegenteil: Der Umgangston sei im Großen und Ganzen sehr freundlich. „Aber eben anonymer“, sagt sie. „Wegen der Sprachbarriere. Man versteht sich halt nicht immer.“

Ihr Mann hat die Siedlung als Maurer mitgebaut

Beruflich ist Frau Morch gelernte Friseurin. Das war etwas, woran sie sich festhalten konnte, nachdem sie ihrem Freund und späteren Ehemann 1957 über die innerdeutsche Grenze „nachgemacht“ war, wie sie es ausdrückt. „Ich habe sofort Arbeit bekommen“, berichtet sie. Jobs gab es zwar wie Sand am Meer, gute Wohnungen dafür weniger.
Obwohl der Ehemann sogar als Maurer beim Bau der Lenzsiedlung mitgeholfen („Er hat jede Platte einmal in der Hand gehabt“), und daher sogar ein Anrecht auf eine Wohnung hatte, war es am Ende alles andere als einfach. „Weil wir 50 Mark zu viel im Monat verdienten, sollten wir die Wohnung zuerst gar nicht kriegen“, erinnert sie sich. Es klappte schließlich doch noch, weil sie den Typen im Wohnungsamt mit einer Flasche Cognac bestach. „So'n Dicker mit Zigarre war das!“
Finanziell kam die Familie immer gut über die Runden, auch wenn gleich nach ihrem Einzug die Baufirma pleite machte und die Gehälter ausblieben. Die Folge: „15 Jahre lang Zelturlaub“, berichtet Ingeborg Morch. „War aber auch schön!“
Heute geht die Pensionärin gerne zum Kartenspielen oder Bingo ins Bürgerhaus. Die vielen Kursangebote, insbesondere die für Senioren, gefallen ihr. „Da wird mir zum Beispiel mein Smartphone erklärt“, sagt sie. „Ich finde das super!“

Geburtstagsparty
Am Freitag, 7. Juli, ab 13 Uhr, lädt der Verein Lenzsiedlung zur großen Sause ein. Es gibt Kaffee und Kuchen, geplant ist außerdem ein Mitmachzirkus für Kinder (14 bis 17 Uhr). Ein Highlight dürfte der Auftritt der Zwillinge Anny und Lissy Klein aus der Lenzsiedlung werden, die vor zwei Jahren bei „The Voice of Germany“ für Furore gesorgt hatten.
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