„Jetzt ist es genug“

Holger Kraus Ist demnächst nur noch mit seinem mobilen Kino in der Stadt unterwegs. Die Kinogalerie im alten Schlachtof scheiterte - an den Kreativen. (Foto: cvs)

Wie Kino-Enthusiast Holger Kraus mit einer tollen Idee an eigenwilligen Künstlern scheiterte

Fünf Jahre hat er sich reingehängt, um anderen Freiräume für Kultur zu bieten. Holger Kraus, Gründer des mobilen Kinos Flexibles Flimmern, wollte mit Musikern, Malern und Projektkünstlern etwas Neues schaffen. Eine Kinogalerie. Es hat nicht geklappt. Die Geschichte einer Enttäuschung.
Seit 2011 bot Kraus jungen Künstlern und Kreativen im alten Schlachthof im Karolinenviertel die Möglichkeit, ihre Werke auszustellen. Kostenlos. Rund 80 Veranstaltungen gab es in den vergangenen fünf Jahren – Kunstwerke in der Ausstellung und Filme an Themenabenden. Die Kombination kam gut an, berichtet Kraus: „Nach einem halben Jahr hatten sich aus dem ursprünglichen Kinopublikum des Flexiblen Flimmerns neue Stammgäste gebildet, die das Zusammenspiel der beiden Rezeptionsformen Kunst und Film zu schätzen wussten.“
Das Problem waren die Kreativen. Denn, so Kraus: Viele der Künstler und auch Hochschuldozenten ließen ihn einfach die Arbeit machen, ohne selbst mit anzupacken. Statt Respekt, Kollegialität und Miteinander erlebte Kraus, „dass Unzuverlässigkeit, Unpünktlichkeit, fehlendes Projektmanagement sowie Arroganz Teil der Ausbildung zu sein scheinen“. Ein Kunstdozent erwartete zum Beispiel, dass Kraus selbst nach einer Ausstellung die Räume wieder herrichtet, entgegen der ursprünglichen Absprachen.

Weniger Arbeit und dieselben Einnahmen


Der Kinomacher ist Enthusiast und Idealist. Ihm war klar, dass die Kinogalerie ein finanzielles Risiko ist, weil er in der Regel kaum etwas einnimmt. Dennoch musste er die recht hohe Miete erwirtschaften – 1.200 Euro im Monat. Er hat das auf sich genommen. „Das Ziel war auch immer der Idealismus, der Freiraum, das uneingeschränkte selbstbestimmte Arbeiten in Kooperationen auf Augenhöhe.“ Doch dieser erhoffte Austausch wurde für Kraus zur „größten Enttäuschung“, bilanziert er ernüchtert. Es hat nicht geklappt.
Nun zieht Kraus einen Schlussstrich: Zu Ende Mai hat er die Räume gekündigt. Er verabschiedet sich vom Schlachthof und wird dann nur noch mit seinem mobilen Kino in der Stadt unterwegs sein. Er werde „eineinhalb bis zwei Wochen weniger Arbeit und dieselben Einnahmen haben“.

„Selbstverliebte Kreative“

Holger Kraus zieht ein launiges Fazit des fünfjährigen Experiments Kinogalerie Projektor: „Tschüss an die selbstverliebten Kreativen, die Galeristen brauchen, um ihre Kunst auszustellen, weil sie nicht wissen, wie ein Hammer funktioniert – oder zu stolz sind jemanden zu fragen, der damit umgehen kann. Danke an alle treuen Gäste und an die großartigen Künstler, mit denen ich meine Leidenschaft teilen konnte. Es war mir ein Fest mit euch und für euch zu arbeiten – macht weiter so!“
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Michael Borkowski aus Altona | 28.03.2016 | 14:06  
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