Jazzclub Birdland schließt im Juni

Heidi und Dieter Reichert haben vor 28 Jahren den Jazzclub Birdland an der Gärtnerstraße 122 eröffnet. Nun hören sie auf, die Arbeit wird ihnen zu viel.
Hamburg: Birdland Jazzclub |

Nach 28 Jahren wollen die Betreiber aufhören

Mehr als 4.700 Konzerte, bekannte internationale Musiker haben unvergessliche Auftritte im Birdland hingelegt. Nach mehr als 28 Jahren schließen die Betreiber den einzigartigen Jazzclub in der Gärtnerstraße 122. Heidi und Dieter Reichert (69 und 73) wollen noch ein paar ruhigere Jahre verbringen, auf Dauer ist ihnen die Arbeit für das Jazzlokal zu viel.
Chet Baker, Herb Geller, Art Blakey, Billie Holiday: An den holvertäfelten Wänden hängen rund 30 Porträts von Musikern. Eine Galerie des modernen Jazz, etliche der Musiker haben hier auch gespielt. 1985 eröffneten Heidi und Dieter Reichert im Keller ihres Hauses an der Gärtnerstraße das Birdland. Sie bauten die Räume aus und richteten sie ein, um dem modernen Jazz in Hamburg eine Bühne zu bieten. Alles auf eigene Kosten. Gut 30 Stunden pro Woche arbeitet das Ehepaar für den Club – ehrenamtlich. Über Jahre machten der Architekt und die Rechtsanwältin das in ihrer Freizeit. Nun hören sie auf, aus Altersgründen. „Auf die Dauer wird uns die Arbeit doch zu viel und zu anstrengend. Wir wollen nicht vom Birdland in die Grube fallen“, sagen die beiden.
Live-Jazz ist noch bis Ende Juni zu hören, dann wird der Club in den Ruhezustand versetzt. Einen Pächter oder Nachfolger wollen die Reicherts nicht – Organisation und Abstimmung blieben da wieder bei ihnen hängen. Die Söhne Ralph und Wolff, beide gestalten seit Jahren das Programm, wollen ebenfalls nicht übernehmen.
Mit der Schließung des Birdland werden Auftrittsmöglichkeiten für junge Musiker immer spärlicher. Gerade die wöchentlichen Sessions am Donnerstagabend sind für Nachwuchsjazzer wichtig. „Wenn Hamburg den letzten Club für aktuellen Jazz gehen lässt, mutiert das Attribut ,Musikstadt’ zur Worthülse“, kritisiert das Jazzbüro Hamburg.
Die städtische Förderung für das Birdland fiel spärlich aus: 5.077 Euro pro Jahr gab die Stadt dem Club, hat Dieter Reichert ausgerechnet. Die Betreiber wollen nicht klagen. Selbst wenn es eine stattliche Summe gäbe, an ihrer Entscheidung ändert das nichts.

Das Programm

Freitags und sonnabends gibt es Konzerte im Birdland. Donnerstags ist die Jam Session, bei der Musiker zur Improvisation zusammenkommen. Jeden ersten Mittwoch im Monat steht eine Vocal Session mit Sängerinnen und Sängern auf dem Programm. Gerade diese Sessions sind eine gute Gelegenheit für Nachwuchsmusiker, um Live-Erfahrung zu sammeln. Der Eintritt ist frei, Beginn jeweils um 21.30 Uhr. Mehr unter www.jazzclub-birdland.de
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