Isebekkanal: Obdachlose wurden vertrieben

Anwohnerin Dagmar Vogel versteht nicht, warum die Obdachlosen vertrieben wurden. „Laut waren sie nicht, und der Platz war ordentlich und nicht vermüllt“, berichtet sie. (Foto: cvs)
Hamburg: Isebekkanal |

Bezirksamt lässt Schlafplatz räumen – Polizei: „Keine Beschwerden!“

Christopher von Savigny, Eimsbüttel – An die ehemaligen „Bewohner“ erinnert lediglich eine Tafel Schokolade: Jemand hat sie auf dem Stahlträger der Fahrradbrücke über den Isebekkanal abgelegt, wo sie nun auf mögliche Abnehmer wartet. Marke „Maurinus“, Zartbitter, haltbar bis März 2014 – theoretisch also noch verzehrbar. Auch Anwohnerin Dagmar Vogel hatte den Obdachlosen öfters mal etwas zu Essen vorbeigebracht: Brot, Wurst oder einen Kaffee, als es noch kalt war. Damit ist nun Schluss: Das Bezirksamt hat den Platz räumen lassen. Alles, was die Obdachlosen nicht mitnehmen konnten, etwa Matratzen, Decken und Schlafsäcke, wurde weggeworfen. „Ich verstehe das nicht“, sagt Vogel. „Die haben doch niemanden gestört!“
Ort des Geschehens ist die Radfahrerbrücke über den Isebekkanal zwischen Goeben- und Heymannstraße. Unter der kaum drei Meter breiten Überführung hatten seit mehreren Monaten einige polnischstämmige Männer gehaust. Alter: zwischen 40 und 60 Jahren. „Sicher, da wurde schon mal Alkohol getrunken, aber laut waren sie bestimmt nicht“, berichtet Vogel. Der Platz sei auch nicht vermüllt gewesen.
Das Bezirksamt sieht die Sache anders: „In diesem konkreten Fall ist es so, dass es eine Beschwerdelage zu der Vermüllung des gesamtes Gebietes gab“, sagt Bezirksamtssprecherin Aileen Röpcke. „Daraufhin haben wir eine externe Firma mit der Reinigung des Geländes beauftragt.“ Möglicherweise seien die Obdachlosen von der Reinigungsfirma des Platzes verwiesen worden, mutmaßt Röpcke. Zudem habe es im Vorfeld bereits Anwohnerbeschwerden wegen Lärm und Unruhe gegeben.
Klar ist: Unter Brücken und auf öffentlichen Plätzen darf offiziell nicht übernachtet werden. Wohnungslosen bietet die Stadt Hamburg Unterkunft in einer ihrer Übernachtungsstätten an. Doch solange niemand Anstoß nimmt, werden die Ämter auch nicht aktiv. Bemerkenswert: Der Polizei ist die Geschichte nicht bekannt. „Bei uns ist keine Beschwerde eingegangen“, heißt es übereinstimmend aus den Polizeiwachen Sedan- und Troplowitzstraße, die für den Isebekkanal zuständig sind.
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2 Kommentare
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Fran Kee aus Eimsbüttel | 19.03.2014 | 00:16  
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Fran Kee aus Eimsbüttel | 22.03.2014 | 12:29  
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