Isebekkanal: „Der Zaun muss weg!“

Kostete mindestens 2.000 Euro und soll Obdachlose vom Ufer des Isebekkanals fernhalten: Der Zaun unter der Fahrradbrücke an der Goebenstraße ist für manche Anwohner ein Skandal.
 
Kostete mindestens 2.000 Euro und soll Obdachlose vom Ufer des Isebekkanals fernhalten: Der Zaun unter der Fahrradbrücke an der Goebenstraße ist für manche Anwohner ein Skandal.

Bürger protestieren gegen Obdachlosen-Sperre

Grüner Stahl gegen Menschen: Seit ein paar Wochen hält ein Zaun an einem Teil des Isebekkanals Obdachlose davon ab, sich dort niederzulassen. Das Bezirksamt Eimsbüttel hat die Sperre errichten lassen (das Elbe Wochenblatt berichtete). Nun regt sich Protest gegen den Zaunbau von Eimsbüttel. Anwohner fordern, diesen wieder abzureißen.
Unter der Fahrradbrücke an der Goebenstraße hatten sich auf einem kleinen Betonvorsprung über Jahre Obdachlose eine trockene Bleibe gesucht und dort geschlafen. „Sie haben weder gestört, noch haben sie ein Saufgelage im Park veranstaltet“, schildert eine Anwohnerin die Situation. Rund um die Bismarckstraße wurde neulich von Anwohnern ein Flugblatt verteilt, das zum Protest aufruft.
Die Verfasserin zieht einen Vergleich zum umstrittenen Zaunbau unter der Kersten-Mi-les-Brücke auf St. Pauli. Der damalige Bezirksamtschef Markus Schreiber hatte ebenfalls eine stählerne Barriere errichten lassen, damit sich Obdachlose und Punks dort nicht mehr aufhalten können. Nun eine ähnliche Aktion im Verantwortungsbereich des Amtskollegen Torsten Sevecke (SPD) in Eimsbüttel. Offiziell begründet das Bezirksamt den Zaunbau damit, dass der Isebekkanal zum Park erklärt wurde. Und da sei es nicht erlaubt, sich dauerhaft aufzuhalten, zumal der Uferbereich besonders geschützt werden soll.
Manche Anwohner sehen die Aktion kritisch: „Die Installation des Zauns ist skandalös.“ Die Obdachlosen gehörten zu Hoheluft-West – „anders als der Zaun.“ (siehe Zuschriften unten).

Obdachlose haben nicht gestört
"Seit zehn Jahren bin ich Anwohnerin der Bismarckstraße in unmittelbarer Nähe der Fußgängerbrücke. Ich finde die Installation des Zauns skandalös.
Die Obdachlosen, die dort ihr Quartier aufgeschlagen haben, haben weder gestört noch geschadet. Ein ruhiges und geschütztes Plätzchen in der Stadt zu finden, wird schwer genug sein, ihnen dies so massiv zu verwehren, ist furchtbar.
Ich bin entschieden gegen diese Maßnahme und plädiere für die Entfernung des Zauns."
A. Kautz

Ein Skandal
"Der Zaun ist ein Skandal – und Geldverschwendung. Ich war total traurig, als ich sah, dass dort, wo über ein Jahr lang zwei Obdachlose so gut es ging „zu Hause“ waren, plötzlich ein Zaun gebaut wurde und die beiden Männer weg waren.
Wer veranlasst denn so was Unmenschliches und mit welcher Rechtfertigung werden hier Steuergelder gegen das Interesse der Steuerzahler und Anwohner verschwendet? Die Männer sind nie negativ aufgefallen, haben jeden Tag ihre Schlafstätte ordentlich hergerichtet und niemanden hier gestört. Die gehörten zu Hoheluft-West - anders als der Zaun.
Der muss weg! Und am bes-ten auch der Bezirksamtsleiter, der sowas in Auftrag gibt oder zumindest billigt. Mit dem Geld für den Zaun hätte lieber den Obdachlosen geholfen werden können."
C. Foss

Lieber mal um den Müll kümmern
"Auf meinem gewohnten Spaziergang entlang des Isebek-Kanals stellte ich fest, dass die Plätze unter der Göbenbrücke durch Zäune abgesperrt wurden, um offensichtlich wohnungslose Menschen davon abzuhalten, die Nacht halbwegs im Trockenen zu verbringen. Sprachlos schaute ich auf die aufwändig installierten Zeugen unmenschlichen Ordnungssinns und fragte mich, ob das Modell, unseren Wohlstand nach außen durch Zäune zu schützen, jetzt offensichtlich auch in Eimsbüttel Schule macht, und wer sich wohl das Recht nimmt, denen, die keinen privaten Schutzraum haben, auch noch den öffentlichen Raum zu verweigern?
Sinnvoll wäre es, das Bemühen um „öffentliche Ordnung“ auf den Müll zu konzentrieren, der sich allsonntäglich vor den Spaziergängern am Isebek-Kanal ausbreitet und der von verwöhnten Mittelstandsbürgern – offensichtlich gewohnt, dass andere ihren Dreck weg machen – nach lautstarken nächtlichen Grillpartys hinterlassen wird.
Es wäre sicher besser gewesen, das Geld für die finanziell aufwändig installierten Zäune in die Instandsetzung der Wege, die bei nassem Wetter nicht begehbar sind, zu investieren. Nicht die harmlosen Camper unter der Brücke sind das Ärgernis, sondern die Tatsache, dass Fußgänger häufig auf den Fahrradweg ausweichen müssen und damit sich selbst und die Radfahrer in Gefahr bringen."
H. Fleischer
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