Integration ist mehr als Wohnen

Viele Containerdörfer sind entstanden, um Geflüchtete unterzubringen. Reicht das? (Foto: EW)

Interview mit Bettina Clemens vom Diakonischen Werk Hamburg

Hamburg streitet um die Größe von Wohnquartieren für Flüchtlinge. Aber was heißt eigentlich Integration? Was kann jeder selbst dazu beitragen? Darüber sprach das Elbe Wochenblatt mit Bettina Clemens vom Diakonischen Werk Hamburg.

Halten Sie die geplanten Wohnsiedlungen für problematisch? Können Stadtteile wie Eidelstedt oder Rissen Quartiere mit knapp 2.000 Flüchtlingen verkraften?
Wir halten neue Wohnsiedlungen nicht für grundsätzlich problematisch, denn Wohnungen – gerade Sozialwohnungen – werden in Hamburg dringend gebraucht. Und es ist dringend notwendig, die Unterbringung in Baumärkten und Hallen zu beenden! Wichtig ist die konkrete Gestaltung dieser Siedlungen und der dazugehörigen Infrastruktur, also sozialer und kultureller Einrichtungen und Begegnungsmöglichkeiten. Davon wird abhängen, wie die Integration in die Stadtteile vor Ort gelingt.

Die Wohnsituation allein ist also nicht entscheidend für Integration?
Nein, natürlich nicht. Zur Integration gehören Arbeit, die Beteiligung am Leben in dem neuen Umfeld, das Kennenlernen von Angeboten im Stadtteil und immer wieder Bekanntschaften mit Menschen, die schon länger hier leben. Über Schulen und Kitas, Deutschkurse, über soziale Angebote, über Sport findet Kontakt statt. Und so wächst vielleicht auch irgendwann ein Gefühl dazuzugehören.

Seit Monaten übernehmen Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe wichtige Aufgaben – tut die Stadt selbst nicht genug?

Ohne das großartige Engagement so vieler Ehrenamtlicher würde es mit Sicherheit nicht so gut funktionieren. In allen Bereichen sind Menschen engagiert und unterstützen die professionellen Stellen mit Begleitung, Zusatzangeboten, Patenschaften, Spielangeboten oder Ausflügen. Auch die Stadt tut sehr viel, hat aber wohl mit Unterkünften, medizinischer Versorgung sowie Schulen mehr als genug zu tun. Wichtig ist, dass die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen gut funktioniert.

Was kann jeder einzelne tun, um Zuwanderer zu integrieren?

Am Wichtigsten ist, dass Begegnungen stattfinden, dass es Kontakte gibt. Über die vielen Initiativen, die sich rund um Unterkünfte für Geflüchtete gebildet haben, oder auch über Kirchengemeinden kann man sicher eine Aktivität finden, die zu einem passt, wenn man aktiv werden will.
Neben dem persönlichen Engagement ist es uns allerdings auch ein Anliegen, für die Rechte von Geflüchteten einzutreten und gegen rechte Stimmungsmache aktiv zu werden.
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6 Kommentare
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Horst Klemeyer aus Eidelstedt | 02.06.2016 | 21:55  
Carsten Vitt aus Eimsbüttel | 07.06.2016 | 11:45  
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Horst Klemeyer aus Eidelstedt | 07.06.2016 | 12:38  
Carsten Vitt aus Eimsbüttel | 07.06.2016 | 15:04  
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Horst Klemeyer aus Eidelstedt | 07.06.2016 | 15:46  
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Horst Klemeyer aus Eidelstedt | 07.06.2016 | 16:25  
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