In der Rolle eines Flüchtlings

Arbeiten am Text: Theaterlehrerin Mascha Fiolka mit ihren Schülern. (Foto: cvs)
Hamburg: Ida-Ehre-Schule |

Ida-Ehre-Schüler entwickeln Theaterstück zu einem aktuellen Thema

Christopher von Savigny, Eimsbüttel

„Garan“ ist auf der Flucht. Die 17-jährige Afghanin wartet auf den Schlepper, der die gefährliche Passage übers Meer organisiert. Alles Mögliche kann passieren, während die Gruppe um „Garan“ ausharrt: Die Bootsführer kommen nicht, die Überfahrt wird immer teurer, ein Dieb ist unterwegs und bestiehlt die Reisenden. Fürwahr keine einfachen Probleme, mit denen sich die Fünftklässler der Ida-Ehre-Schule herumschlagen müssen. „Es ist interessant, das nachzuspielen“, sagt Aniston (11), der in seinem nachgemachten Reisepass die „Garan“ verkörpert. „Gleichzeitig finde ich es traurig, weil meine Eltern auch Flüchtlinge sind und das bei uns immer ein schwieriges Thema war.“
Ortstermin in der Aula der Ida-Ehre-Schule: Eine Gruppe von Schülern der 5. Klassen versucht sich, in das Leben von Flüchtlingen hineinzuversetzen. Einige hören sich Reiseberichte über Kopfhörer an, andere dis-kutieren, eine weitere Gruppe baut sich notdürftige Behausungen aus Pappkartons zusammen. „Wie fühlt sich das an? Welche Widrigkeiten stellen sich mir in den Weg? Was sind die Ursachen? Das möchte ich zusammen mit den Schülern herausfinden“, sagt Theaterlehrerin Mascha Fiolka, die das Theaterprojekt „Eine Reise wie keine andere ... Unerwünscht?“ an der Schule leitet.
Anfang April werden alle 5. Klassen – rund 160 Schüler – der Ida-Ehre-Schule gemeinsam ein selbstentwickeltes Stück zum Thema Flucht auf die Bühne bringen (siehe Kasten rechts). „Es fühlt sich schon anders an, wenn man so dicht dran ist“, sagt Fiolka.
Seit Schuljahresbeginn beschäftigen sich die Kinder mit dem Projekt. Im Gesellschaftsunterricht haben sie fremde Länder kennengelernt und Fluchtrouten besprochen. Das Bühnenstück entwickelt sich jetzt so nach und nach aus dem, was Schüler und Lehrer einbringen. Mit an Bord ist eine Handvoll 17- bis 18-jähriger echter Flüchtlinge, die vom Theaterpädagogen Olaf Bublay betreut werden, und eigene Erlebnisse zum Thema beisteuern. „Im Gespräch mit den Kindern hat sich herausgestellt, dass fast alle selber in irgendeiner Form einen Migrationshintergrund haben“, sagt Bublay.
In diesem Jahr veranstaltet die Schule ihr viertes dramaturgisches Stück zum Thema. Vor zwei Jahren ging es um Migranten in Hamburg („Gekommen, um zu bleiben“).

Aufführungen

„Eine Reise wie keine andere ... Unerwünscht?“
Aufführungen am Freitag und Montag, 1. und 4. April in der Ida-Ehre-Schule, Bogenstraße 36.
❱❱ www.idaehreschule.de
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