In Deckung, Punkrock!

Keine Angst, die tun nichts, aber wer über Punk schreibt, kann sich ja mal ein biss-chen schräg benehmen: Christian Böttjer (l.) und Christian Maas (beide 35) sind die Gründer des Magazins „Mind the Gap“. Die zwölfte Ausgabe ist gerade erschienen.

Christian Böttjer und Christian Maas bringen seit 1998 das Hamburger Punk-Magazin „Mind the Gap“ heraus

Sie nennen sich „Der Captain“ und „Gierfisch“, ihre Spielwiese sind eng bedruckte DIN A4-Seiten in einem Heft namens „Mind the Gap“. Bürgerlich heißen sie Christian Böttjer und Christian Maas. Böttjer ist Re-dakteur in einem Fachverlag, Maas Labelmanager bei einem digitalen Musikvertrieb. Mit einer Handvoll Enthusiasten zimmern sie jährlich das Punk-Fanzine „Mind the Gap“ zusammen (siehe Kasten). Kleine Auflage, praktisch kein Gewinn, dafür beachtliche Aufmerksamkeit unter Fans der rockigen Musik.
„Wir wollen immer eine Mischung aus aufregenden jungen Bands und den alten Recken bieten“, sagt der Eimsbütteler Maas. Punk wurde 1977 mit den Sex Pistols schlagartig bekannt und berüchtigt – je nach Standpunkt. Markenzeichen der Musikrichtung: Einfache Schlagzeugrhythmen, eingängige Gitarrenakkorde, rotziger Gesang und ebensolche Texte.
Maas und Böttjer gründeten das Magazin 1998. Ihre Herzen schlagen besonders für die englische Spielart der rockigen Musik. Bands wie The Damned, Lurkers, Vibrators oder Sham 69 werden immer wieder abgefeiert. Hamburger Bands und Trends sollen auch in jeder Ausgabe vertreten sein. Fürs erste Heft interviewten die beiden „...But alive“, die in den 90er Jahren einflussreich waren. Bandkopf Marcus Wiebusch ist heute mit „Kettcar“ erfolgreich. Im aktuellen Heft sind zum Beispiel Heimatglück und die Emils dabei. Zu Interviews, Plattenkritiken und Konzertberichten gesellt sich die eine oder andere schräge Kolumne.
Aber ist in der Ära von Internet und sozialen Netzwerken ein gedrucktes Schwarz-Weiß-Heft noch zeitgemäß? „Wir haben einfach ignoriert, dass viele Fanzines eingegangen sind. Und wir bekommen immer wieder begeisterte Reaktionen von Leuten, dass sie etwas Gedrucktes Klasse finden.“
– Das aktuelle Heft gibt es für zwei Euro in Plattenläden. Wer direkt bestellen will, schickt 3,45 Euro in Briefmarken an:Mind the Gap Fanzine, c/o Christian Maas, Hartwig-Hesse-Straße 6, 20257 Hamburg. Übrigens: Gastschreiber werden gesucht, Kontakt: gierfisch@gmx.de
http://www.facebook.com/mindthegapfanzine

Was ist ein Fanzine?
Sie wirken wie Postillen aus einer anderen Zeit: Fanzines. Der Begriff ist aus den Worten Fan (Anhänger) und Magazine (Magazin) zusammengesetzt. Die Blättersammlungen waren vor allem in der Punkszene das Organ der Fans. Professionalität war da nicht so wichtig, es ging vielmehr um Stimmungen und Themen rund um die Musik, aber auch um Politik. Grundgedanke: Jeder kann so etwas machen. Bevor Computer massenhaft verbreitet wurden, klebten die Macher ihre Blätter häufig noch aus etlichen Schnipseln zusammen und kopierten diese dann. Seit Ende der 90er gaben mehr und mehr Fanzines auf oder wandelten sich zu mehr oder weniger professionellen Musikzeitschriften (zum Beispiel Ox oder Plastic Bomb).
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