„Ich will niemanden bekehren“

Neues religiöses Oberhaupt der Jüdischen Gemeinde Hamburg: Shlomo Bistritzky (34) in der Synagoge Hohe Weide. (Foto: cvs)

Was der neue Landesrabbiner Shlomo Bistritzky bewegen möchte

Von Christopher Von Savigny, Grindel – Shlomo Bistritzky ist ein Mann mit Visionen: „Ich möchte, dass jeder das Gefühl hat, hier passiert etwas“, sagt er. Jetzt ist der 34-Jährige offiziell neuer Landesrabbiner von Hamburg. Damit übernimmt er die Nachfolge von Dov-Levy Barsilay, von dem sich die Jüdische Gemeinde 2008 im Streit getrennt hatte. Seitdem war die Stelle unbesetzt.
Nun also Bistritzky, in Jerusalem geboren, vor acht Jahren nach Hamburg gekommen, in die Stadt seiner Vorväter: Sein Großvater stammt aus Hamburg, sein Urgroßvater hatte ein Geschäft im Levantehaus in der Innenstadt. Für Bistritzky war es eine Rückkehr zu den Wurzeln: „In den letzten sechs Generationen meiner Familie war nur mein Vater nicht Mitglied der Jüdischen Gemeinde Hamburg“, sagt er. Der 34-Jährige baute das Bildungszentrum Chabad Lubawitsch in der Rentzelstraße auf und wird dies noch für etwa ein weiteres halbes Jahr leiten. Dann soll ein junges Paar aus Israel übernehmen.
Doppelbelastung? Nichts Neues für Bistritzky, der schon seit einiger Zeit ehrenamtlich als Landesrabbiner tätig ist – inklusive Predigten, Hochzeiten und Bar-Mitzwa-Feiern. Letztere sind vergleichbar mit der Konfirmation bei den Protestanten. Der neue Landesrabbiner möchte das jüdische Leben in seiner Gemeinde voranbringen. „Jetzt habe ich mehr Möglichkeiten“, findet er. 3.000 Mitglieder zählt der Landesverband – auch die übrigen 3.000 bis 5.000 Hamburger Juden sollen zum Mitmachen angeregt werden. „Obwohl das nicht einfach wird in einer so großen Stadt.“ Zu den weiteren Zielen zählt die Renovierung der Synagoge an der Hohen Weide – ein Neubau ist aus Kosten- und Denkmalschutzgründen nicht geplant.
Dass Bistritzky in der Gemeinde als „Orthodoxer“ gilt, findet er selbst nicht problematisch. „Ich möchte jedem die Möglichkeit geben, nach jüdischen Gesetzen zu leben“, sagt er. „Aber ich will niemanden bekehren.“ Hamburgs neuer Landesrabbiner ist verheiratet und hat sechs Kinder.
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