Hommage an einen Schlumper der ersten Stunde

Christliche Motive und persönlicher Leidensweg: „Die Alsterdorfer Passion“ ist das vermutlich bekannteste Bild Werner Voigts. (Foto: pr)
Hamburg: Galerie der Schlumper |

Galerie im Karoviertel würdigt verstorbenen Werner Voigt

Figuren mit breit grinsenden Mündern und schlaksigen, übermäßig langen Armen, gemalt fast wie im Comic: Werner Voigt hat mit seinem eigenwilligen Stil prägnante Bilder geschaffen. Die Galerie der Schlumper würdigt den Künstler mit einer Ausstellung.
Zum ersten Mal ist eine umfassende Werkschau eines Schlumpers zu sehen. Voigt kam mit 49 Jahren zu der Ateliergemeinschaft behinderter Künstler, die nach ihrem ersten Atelier in der Straße Beim Schlump benannt ist. Sie ist nun auch ein Nachruf: Voigt starb Anfang Juni, wenige Tage nach der Eröffnung der Ausstellung. Am 25. Juni wäre er 80 Jahre alt geworden.
Der Maler verbindet in seinen Bildern christliche Motive und Themen mit einem extravaganten Stil. Engelshafte Figuren mit aus der Form geratenen Körpern bevölkern seine Bilder, die Szenen aus der Bibel abbilden. Voigt hat in seinem Werk auch seinen eigenen Leidensweg festgehalten. In der Alsterdorfer Passion, seinem vermutlich bekanntesten Bild, skizziert er, wie er in Anstalten geschlagen und erniedrigt wurde. Voigt kam mit vier Jahren in die Alsterdorfer Anstalten für Behinderte. Das war 1939. Viele der Bewohner der Anstalten fielen der „Euthanasie“ der Nazis zum Opfer – Werner Voigt jedoch überlebte. In der Schule bemerkten Lehrer bereits sein Talent fürs Zeichnen und Malen, doch erst 40 Jahre später konnte sich diese Begabung entfalten.

Er kam mit der Aktentasche ins Atelier

Ab 1963 wohnte Voigt im Stadthaus Schlump. 1984 kam er ins Kelleratelier am Schlump, in dem Rolf Laute behinderte Menschen künstlerisch förderte und zum Malen und Gestalten ermutigte. Voigt war ein Schlumper der ersten Stunde. 21 Jahre war Malen sein Beruf: Er kam mit einer Aktentasche ins Atelier, zog sich einen Kittel an und begann mit seiner Arbeit. Weggefährten berichten, dass er ausgiebig und gern redete, predigte und aus seinem Leben erzählte. Nun bleiben seine Bilder gewissermaßen als künstlerische Predigten zurück.

Ausstellung
Werner Voigt - Die Schlumper

Bis Sonntag, 28. Juni, in der Galerie der Schlumper, Marktstraße 131
Öffnungszeiten:
mi bis fr 16-19 Uhr
sa 11 bis 17 Uhr, so 14 bis 17 Uhr
❱❱ www.schlumper.de
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