Hier entscheiden die Kinder selbst

Nur selten ist es im Bewegungsraum so ruhig, Heilerzieher Pascal Rilling passt auf. Foto: ar

Vorgestellt: die Integrations-Kita Rellinger Straße

Von Anne Rose, Eimsbüttel – Reitunterricht, Waldtage, Trommeln, Schwimmkurse – was ganz einfach nach spannenden Tagen für die Kinder in der Kita Rellinger Straße klingt, ist manchmal eine echte Herausforderung für die Erzieher. Denn alle Angebote stehen allen Kindern offen, egal ob behindert oder nicht. In der Integrations-Kita werden zurzeit 238 Kinder betreut, 61 im Elementarbereich und 13 im Integrationsbereich.
„Wir versuchen, alles an die Bedürfnisse der Kinder anzupassen. So mussten zum Beispiel die Waschbecken geändert werden, damit die Kinder ohne Hilfe Zähneputzen können“, erklärt Julia Herrmann, Abteilungsleiterin des Integrationsbereichs der Kita. „Unsere speziell ausgebildeten Heilerzieher stehen da oft vor Herausforderungen – zum Beispiel, wenn es mit dem Rollstuhl auf einen Waldausflug geht.“
In der Kita gibt es zudem keine festen Gruppen. Die Kinder entscheiden selbst, ob sie lieber toben oder malen möchten. Auf den ersten Blick wirkt das gelegentlich chaotisch, aber jedes Kind hat einen festen Bezugserzieher. Eine Trennung der Kinder mit und ohne Behinderung gibt es nicht. „Die anderen Kinder haben keine Hemmungen und gehen sehr selbstverständlich damit um“, erklärt Herrmann. „Viele kümmern sich und unterstützen sogar die Erzieher.“
Die Integrations-Kinder leiden überwiegend an Sprach- und Entwicklungsverzögerungen, aber auch Kinder mit dem Down-Syndrom oder Körperbehinderungen werden aufgenommen.
„Zusammen mit den Eltern und einer Kinderärztin wird der Bedarf ermittelt und gemeinsam entschieden, ob wir alles abdecken können. Bisher konnten wir aber jedes Kind annehmen“, freut sich Herrmann.
Die Therapeuten kommen direkt in die Kita und beobachten die Kinder in Alltagssituationen. Physiotherapie und Logopädie helfen, sie selbstständiger werden zu lassen.
Erzieher Pascal Rilling ist über den Zivildienst zu seinem Beruf gekommen, hat eine spezielle Ausbildung zum Heilerzieher gemacht. „Ich finde, dass sich die Strukturen den Menschen anpassen müssen und nicht umgekehrt“, erklärt er seine Berufswahl. „Wenn ein Kind eine Schule nicht besuchen kann, weil sie Treppen vor dem Eingang hat, dann müssen die Treppen weg, und nicht das Kind. Der Kontakt zu Freunden ist wichtig, sonst kommt man schnell in eine Sonderposition, die keinem gut tut.“
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