Hausgemeinschaft für den Erhalt von alten Bäumen

Die große Linde im Vordergrund ist 96 Jahre alt
Hamburg: Eimsbüttel |

Ring 2, Ecke Unnastraße: Bäume sollen für Bushaltestelle weg

Vor dem roten Jugendstil-Altbau an der Ecke Unnastraße/Im Gehölz will die Stadt drei alte Linden fällen, auch ein weiterer Baum, eine Eiche direkt an der Einmündung soll abgeholzt werden. Warum nur? Der älteste dieser Bäume wurde vor 96 Jahren gepflanzt. Die Bäume sind gesund. Die Bäume sind ortsprägend, sie schmücken das Straßenbild, sie schützen Anwohner und Radfahrer vor dem Verkehr im lauten Ring 2 und vor schädlichen Emissionen. Pflanzt man an anderer Stelle junge Bäume, brauchen die auch fast 100 Jahre, bis sie den gleichen Zweck erfüllen.

Warum also sollen diese alten Bäume gefällt werden? Wegen der berüchtigten Busbeschleunigung. Um die Bushaltestelle wenige Meter vorzuverlegen, damit sie nicht vor, sondern hinter der Ampelanlage liegt. Jetzt halten die Busse direkt vor der Gaststätte „Club Aventura“ und der Musikschule, die nur tagsüber besucht wird; nach der Baumfällung sollen sie direkt vor dem Wohnhaus halten. Direkt vor den Schlafzimmern der Hausbewohner. Besonders betroffen wären die Bewohner des Erdgeschosses, aber auch alle anderen Hausbewohner hätten was davon. Nicht nur durch die Brems- und Abfahrgeräusche der Busse, auch die lärmenden Disco-Besucher würden sich direkt vor dem Wohnhaus versammeln, statt vor den Gewerberäumen.

Daher protestiert die Hausgemeinschaft entschieden gegen dieses Vorhaben. Klammheimlich sollten Tatsachen geschaffen werden, die Fällung der Bäume war für den 27. Oktober vorgesehen. Über viele Details der riesigen Baustelle am Ring 2 waren die Anwohner unterrichtet worden, über die so drastische Baumfällung und die neue Lage der Bushaltestelle nicht. „Durch Zufall bemerkte ich, dass unsere Bäume mit Kreuzen markiert waren. Ich sprach die Straßenbauarbeiter an und erfuhr so, dass unsere Bäume abgeholzt werden sollen“, sagt Christl Bahlmann, die im Erdgeschoss des Hauses mit ihrem Mann und drei Kindern wohnt. „Wir schlafen keine 3 Meter von der Stelle entfernt in einem ‪Jahrhundertwendehaus mit dünnem Mauerwerk, da könnte man ja dann gleich auf der Kreuzung nächtigen.“

Einen Aufschub haben die Anwohner erwirken könne, aber die Sache ist nicht vom Tisch. Die neue Bushaltestelle könnte sich – kostspielig – nach entsprechenden Gutachten rückverlegen lassen, das wäre ja nicht das erste Mal und auch nicht das zweite Mal in Hamburg. Aber wenn die Bäume gefällt würden, wären Tatsachen geschaffen. Nicht einmal die Kinder, die heute in diesem Haus wohnen, könnten noch erleben, wie ein 96 Jahre alter Baum sich anfühlt.
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
72
Peter Gutzeit aus Eimsbüttel | 10.11.2016 | 22:41  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.