Handeln statt wegschauen

Ausharren unter schlechten Bedingungen: Kinder in einer Lagerhalle mit Wohnzelten in Sindos. Fotos: Hamburger Hilfskonvoi
 
Carmen Wilckens und Christian Großeholz haben mit Kooperationspartnern Hilfskonvois nach Griechenland organisiert. Foto: kp flügel

Carmen Wilckens und Christian Großeholz engagieren sich für Geflüchtete
– in Hamburg und in Griechenland

K.P. Flügel, Stellingen/St. Pauli

Nicht wegschauen, wenn auf der Welt Menschen leiden, nicht hilflos bleiben, etwas tun und helfen. So handeln viele Hamburger – Carmen Wilckens und Christian Großeholz sind zwei von ihnen. Die beiden haben den Verein Westwind – Fahrräder für Flüchtlinge gegründet. In einer Werkstatt an der Rindermarkthalle und neuerdings in Stellingen schrauben Ehrenamtliche Fahrräder zusammen, die an Kinder und Erwachsene in Flüchtlingsunterkünften ausgeliefert werden. Die beiden Gründer helfen aber nicht nur in Hamburg, sondern fuhren schon mehrmals nach Griechenland in die Flüchtlingscamps.
Idomeni: Dieses Dorf an der Grenze zu Mazedonien ist im vorigen Winter zum Inbegriff für die prekäre Lage von Flüchtlingen geworden, als Europa seine Grenzen geschlossen hat. „Dort lebten tausende Menschen unter katastrophalen Bedingungen. Es war kalt und nass, es gab kaum Möglichkeiten zu duschen, sich aufzuwärmen – und immer weniger Hoffnung“, erzählt Christian Großeholz. Ihn und Carmen Wilckens ließen diese Nachrichten nicht los. Eigentlich stand der Urlaub in Frankreich an. Doch sie strichen ihre Urlaubspläne und beschlossen, Hilfsgüter nach Griechenland zu bringen.
Gemeinsam mit den Initiativen Refugees Welcome-Karoviertel, Kids Welcome und dem Verein Hanseatic Help wurden Spenden gesammelt und Laster beladen. „Das war die Geburtsstunde des Hamburger Hilfskonvois“, sagt Carmen Wilckens. Im Juni 2016 fuhren sie mit zwei Lastwagen beladen mit großen Gemeinschaftszelten, Kleidung, Schuhen, Decken und Schlafsäcken sowie Isomatten nach Nordgriechenland. Zwei weitere Transporte starteten im Herbst von Hamburg aus.
Was treibt die beiden Mitbegründer an? Christian Großeholz lebt das Prinzip der Solidarität und ist tief enttäuscht, dass Europa nicht in der Lage ist, die Menschen in Griechenland und anderswo, die unter prekären Bedingungen leben müssen, vernünftig zu versorgen. „Unser Handeln geht über den schlichten Protest hinaus. Wir zeigen, dass wir nicht einverstanden sind und fordern eine Änderung der europäischen Flüchtlingspolitik. Gerade in diesen Tagen, in denen das Morden in Syrien ununterbrochen weitergeht, zeigt sich doch, dass die Geflüchteten nicht das Problem sind, sondern die kriegsführenden Parteien.“
Carmen Wilckens ist mit den Kriegstraumata ihrer Eltern und Großeltern aufgewachsen, die sie nie vollkommen haben abschütteln können. „Meine Oma flüchtete mit meiner damals sechsjährigen Mutter und weiteren Geschwistern aus Pommern. Mein Vater musste ebenfalls mit sechs Jahren aus dem bombardierten Hamburg flüchten.“ Daher ist für Carmen Wilckens Krieg immer ein Verbrechen, da er den Verlust von Heimat, Gesundheit, Leben, Familienangehörigen und Freunden bedeutet und unendlich viel Schmerz und Trauer für unzählig viele Menschen bringt. „Ich kann da nicht wegschauen und bin froh, dass ich zusammen mit Christian einen Weg gefunden habe und etwas bewegen kann.“

Persönlich
Carmen Wilckens (53) ist Wirtschaftsfachwirtin und arbeitet in einem Hamburger Schienenlogistikunternehmen. Seit 2011 sitzt sie für die Grünen in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord.
Christian Großeholz (49) ist Fahrradmechaniker und arbeitet aktuell in einem Fahrradladen in Schenefeld. Er arbeitete zuvor auch als Taxifahrer und hatte einen Bioladen.
Wer die Initiative unterstützen möchte, findet Informationen auf der Homepage
❱❱ www.hamburgerhilfskonvoi.de
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