Hagenbecks Eismeer: Polarbewohner aus nächster Nähe

Neseyka und die Fotografen: Wer betrachtet hier wen?
Von Christopher von Savigny.
Es riecht nach Fisch und Meer, die Temperatur liegt bei frostigen sieben Grad, und wer nicht aufpasst, bekommt schnell mal einen Wasserspritzer ab. Denn wenn Esels- und Königs-Pinguine unterwegs sind, geht es wild zur Sache: Pfeilschnell düsen die Antarktisbewohner durchs Wasser, hüpfen mit Schwung auf den nächs-ten Felsen, trippeln hinüber und lassen sich unerschrocken wieder ins Becken plumpsen – all dies direkt vor der Nase des Betrachters. „Die Reise der Pinguine“ ist eine der Attraktionen des neu eröffneten Eismeers im Tierpark Hagenbeck.
Dazu gehören auch ein sieben Meter tiefes Walross-Aquarium und eine neuartiges Eisbärengehege, dessen Bewohnern man durch eine 5,5 Zentimeter dicke Verbundglasscheibe bei der Unterwasserjagd zusehen kann.
Zweieinhalb Jahre wurde an dem Projekt „Eismeer“ gebaut, aufgrund von Materialproblemen war die Eröffnung mehrmals verschoben worden. Zuletzt waren zwei der tonnenschweren Panoramascheiben während des Einbaus zu Bruch gegangen. Doch jetzt ist der 750 Meter lange Rundweg durch die Kältezonen der Erde endlich für die Tierparkbesucher geöffnet. „Wir sind sehr stolz und bewegt, diese einzigartige Anlage heute zu eröffnen“, sagte Geschäftsführer Joachim Weinlig-Hagenbeck. „Mit dem Eismeer hat der Tierpark Hagenbeck ein neues Kapitel in seiner Geschichte aufgeschlagen.“
Das Eismeer erinnert an das vor über 100 Jahren von Zoogründer Carl Hagenbeck entworfene „Nordland-Panorama“: Damals wie heute waren und sind verschiedene Tierarten nur durch Gräben voneinander getrennt. Die unmittelbare Nachbarschaft – selbst von Todfeinden wie Eisbär und Robbe – funktioniert, weil die Tiere zu wissen scheinen, dass sie einander nicht erreichen können.
Der Bau des 8.000 Quadratmeter großen Areals kostete rund 20 Millionen Euro, wovon die Stadt Hamburg rund 7,5 Millionen Euro übernahm. Ganz neu im Bestand ist Walrossdame Neseyka, die aus einem russischen Zoo stammt: Nach dem Tod von Artgenossin und Publikumsliebling Antje vor neun Jahren könnte sich Neseyka jetzt zum neuen Hagenbeck-Star entwickeln.
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