„Haben Sie einen Termin?“

Hamburgs Verwaltung stellt um: Termine und Anfragen sind fast nur noch per E-Mail zu vereinbaren. Wehe, man muss mal was am Telefon herausfinden! (Foto: Tim Reckmann / pixelio.de)
Hamburg: Bezirksamt Eimsbüttel |

Hamburgs neue Online-Verwaltung: Ein Leser schildert seine Erlebnisse

Von Michael Gerdau, Eimsbüttel – Ich wohne seit dem 1. April 2014 in Hamburg (Wrangelstraße). Am Donnerstag, 3. April, gehe ich mit meiner Vermieterbescheinigung „bewaffnet“ zum Bezirksamt Eimsbüttel, um mich umzumelden.
Dort angekommen beantwortet der Pförtner meine Frage nach dem Weg (Stockwerk und Zimmer) mit der Gegenfrage „Haben sie einen Termin?“ Ich antworte naiv: „Nein, aber ich habe ein wenig Zeit, dann warte ich eben etwas.“
Der Pförtner klärt mich nun darüber auf, dass das in Hamburg so einfach nicht ginge, vielmehr müsse man entweder über die zentrale Rufnummer 115 (sagt's und reicht mir einen Zettel mit der Nummer) oder über das Internetportal einen Termin vereinbaren. Meinen Ausruf „Was ist das denn für ein Blödsinn!“ quittiert er mit einem „Ich bin nur der Pförtner“.
Wieder draußen vor der Tür stehend rufe ich sofort die 115 an. Das Band informiert mich, ich würde mit Hamburg verbunden werden. Na, immerhin stimmt die Region. Von der Dame am Telefon erfahre ich, dass dieses neue Verfahren seit dem 1. April gelte. Meinen hilflosen Einwurf, der 1. April sei ja nun vorbei und damit auch die Zeit für Scherze, ignoriert sie geflissentlich.
Ich mache meinem Unmut etwas Luft, die Dame reagiert professionell und lässt mich Dampf ablassen. Schließlich erfahre ich, dass der nächste freie Termin am 17. April ist, also exakt zwei Wochen später. Nebenbei erfahre ich noch, dass es auch nichts ändert, es über das Internet zu versuchen, die greifen auf die gleichen Daten zurück. Schließlich vereinbare ich den Termin.
Auf dem Heimweg überlege ich, was der Grund für diese Änderung sein mag. Es erscheint offensichtlich, dass so die Zahl der bearbeiteten Vorgänge und damit die Effizienz der Verwaltung zurückgeht. Es erscheint ebenfalls klar, dass das den Verantwortlichen bewusst sein muss. Die werden nicht nur Hohlköpfe bei sich sitzen haben.
Ich nehme mir vor, das bei meinem Termin beim Amt zu erfragen.

Am 17. April erscheine ich im Bezirksamt. Ich werde quasi sofort an einen Mitarbeiter weiter geleitet – das klappt soweit gut. Schlangen nehme ich keine wahr.
Meine Ummeldung geht zügig vonstatten. Nebenbei erfahre ich, die vom Amt in den bisherigen zwei Wochen nach dem neuen System (zentrale Anmeldung) abgearbeitete Fallzahl liegt deutlich unter dem, was sonst üblich ist. Es sind bisher nur knapp die Hälfte an Vorgängen. Hinter vorgehaltener Hand höre ich die Vermutung, die geringere Fallzahl werde in Zukunft dafür herhalten, frei werdende Stellen nicht neu zu besetzen, da der Bedarf offenbar zurück gegangen sei und man daher Stellen einsparen könne. Hamburg muss schließlich sparen.
Seither frage ich mich, ob Einsparungen in Hamburg wirklich nach einem solchen Prinzip funktionieren können. Senkung der Effizienz, um Stellen zu streichen. Und ich frage mich ebenfalls, ob die Warteschlangen nicht immer größer werden. Und wenn sie es nicht werden, ob die eingesparten Vorgänge vielleicht überflüssige Besuche beim Amt waren, die einfach ersatzlos gestrichen werden konnten. Oder ob eventuell ein Teil der bisherigen Vorgänge auch online erledigt werden kann und keine persönliche Betreuung durch eine/n Sachbearbeiter/in benötigt.
Genau genommen verstehe ich den Sinn der Änderung bis heute nicht. Ich hoffe nur, ich muss nicht so bald wieder zum Bezirksamt...
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