Goldgrube Grindelviertel?

Muss aufgeben: Frank Mundt, Betreiber des Antiquariats „Text+Töne“ in der Grindelallee. Nach einem Eigen-tümerwechsel verlangte der neue Besitzer eine doppelt so hohe Miete. (Foto: cvs)

Steigende Mieten: Alteingesessene Läden müssen aufgeben

Von Christopher von Savigny, Grindelviertel – Große Sprünge habe er noch nie machen können, sagt Frank Mundt, Geschäftsführer des Antiquariats „Text+Töne“ in der Grindelallee. „Aber es hat gereicht, dass wir uns halten konnten.“ Ende des Jahres muss Mundt seinen traditionsreichen Second-Hand-Laden für Bücher, CDs und DVDs trotzdem dicht machen. Hintergrund: Der neue Eigentümer hatte die Miete ganz plötzlich um rund 100 Prozent angehoben – 5.000 Euro sollte Mundt ab Januar zahlen. „Das kann ich mir nicht leisten“, sagt Mundt. Er kündigte. Vom nächsten Jahr an ist sein Geschäft am Eppendorfer Baum zu finden.
Auch die Bewohner des Hauses Grindelallee 80 sind vom Ei-gentümerwechsel betroffen – nach Auskunft des Mietervereins zu Hamburg versuche der neue Inhaber regelrecht, sie wegzu-ekeln. „Die Fernwärmerechnung wurde nicht bezahlt, die Mieter bekommen ständig Briefe, in denen sie aufgefordert werden, irgendwelche Mängel zu beseitigen“, zählt Mieteranwalt Dr. Rolf Bosse auf. Die Miete sei indes noch nicht erhöht worden. Trotzdem spricht Bosse von einem „Terrorvermieter“. „Ich rate den Mietern, durchzuhalten und ihre Rechte wahrzunehmen“, so Bosse. Der Inhaber, Sven Basner, war zu einer Stellungnahme nicht bereit: Als das Wochenblatt ihn über Handy erreichte, legte Basner einfach auf.
Ein besonders krasser Fall, aber „Text+Töne“ ist nicht der einzige Laden im Viertel, der den gestiegenen Mietpreisen Tribut zollen muss: „Levante“ im Nachbarhaus musste ebenso aufgeben wie „Zweitausend-eins“ gegenüber. Stattdessen sprießen Coffeeshops und Bä-ckereifilialen aus dem Boden. Die schleichende Gentrifizierung macht auch Jimmy Blum, Vorsitzender des Vereins Grindel e.V., zu schaffen: „Das größte Problem ist, dass die Leute denken, hier könnte man Wahnsinnsprofite erzielen“, sagt der Inhaber eines Second-Hand-Ladens in der Hartungstraße. Jetzt plant Blum mit seinen Vereins-kollegen eine Werbeaktion. Unter dem Motto „Support Your Local Dealer“ sollen Kunden dazu angehalten werden, in den kleinen Läden vor Ort einzukaufen.
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