Geschmacklos oder hintergründig? Wirbel um diesen Uni-Kalender

Diesen Kalender bringt der AStA der Uni Hamburg heraus – nun gibt es Ärger wegen zynischer Einträge zu Verstorbenen.

Uni Hamburg: Studierendenvertretung AStA hat Ärger am Hals

Der AStA der Universität Hamburg hat Ärger am Hals: Wegen zynischer Kommentare zu Verstorbenen stehen die Studierendenvertreter in der Kritik, zudem gibt es eine Strafanzeige wegen der vermeintlichen Veruntreuung studentischer Gelder.
Es geht um einen Kalender des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA). Da wird an Proteste an der Uni erinnert, Zitate von John Lennon bis Karl Marx sollen den studentischen Alltag bereichern. Der Welttag der Jogginghose und der Internationale Inkontinenztag werden gefeiert.
Empörung löste dieser Eintrag aus: „Mit seinem Tod schafft Hanns-Martin Schleyer die Voraussetzung für die nach ihm benannte Mehrzweckhalle in Stuttgart.“ Schleyer wurde 1977 von der Rote Armee Fraktion (RAF) entführt und ermordet. Auch Vermerke über zwei weitere Verstorbene – den österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider und den umstrittenen FDP-Politiker („und Antisemit“) Jürgen W. Möllemann – irritieren.
Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), die Medizinerliste und die Liberale Hochschulgruppe kritisieren diese und andere Einträge in dem Kalender als „tendenziös, beleidigend und teilweise menschenverachtend“.
Moritz Krauß, Verantwortlicher für die Publikation, rechtfertigt die Inhalte: „Es ging uns darum, Kritik an den inhaltlichen Positionen dieser Personen zu üben und nicht deren Tod zu befürworten.“ Den Studierenden traue man sehr gut zu, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen und über Faschismus, Rechtspopulismus und Antisemitismus zu diskutieren. Zur Vergangenheit Schleyers, der Nationalsozialist und SS-Mitglied war, stand allerdings nichts im Kalender.
Der Rechtsanwalt und CDU-nahe Bürgerschaftsabgeordnete Walter Scheuerl erstattete Strafanzeige gegen den AStA. Er vermutet eine Veruntreuung studentischer Gelder. Der AStA-Kalender wurde aus den automatisch erhobenen Semester-Beiträgen der Studierenden bezahlt. Diese Mittel habe der AStA für eigene politische Zwecke missbraucht, so Scheuerl.
Der AStA hat sich vorsorglich einen Anwalt genommen.
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