Gemeinsam lernen – ein Auslaufmodell?

Gemeinsam voneinander lernen in der Schule Kielortallee: Hendrik (9, li.) mit Morten (10). Foto: cvs

Die Schule Kielortallee führte vor 25 Jahren Integrationsklassen ein – blickt aber ungewissen Zeiten entgegen

Von Christopher von Savigny, Eimsbüttel – Freie Wahl für alle: Seit dem vergangenen Schuljahr haben Hamburger Eltern das Recht, ihre behinderten Kinder auf eine „normale“ Schule zu schicken. Die Schulbehörde folgt damit einem Beschluss der Vereinten Nationen, der das Ziel hat, Kinder „mit sonderpädagogischem Förderbedarf“, so der korrekte Begriff, besser zu integrieren. „Inklusion“ lautet das Zauberwort.
An der Schule Kielortallee hat das gleichberechtigte Lernen von behinderten mit nicht behinderten Schülern eine lange Tradition: Schon 1986 ging die erste Integrationsklasse an den Start. Kürzlich hat das Konzept der Eimsbütteler Grundschule ihr 25-jähriges Jubiläum gefeiert.
An der Leitidee hat sich in all den Jahren nicht viel geändert: Jeweils eine von vier Klassen pro Jahrgang nimmt bis zu vier Schüler mit geistiger und körperlicher Behinderung auf – in der Praxis häufig Kinder mit Down-Syndrom, Entwicklungsverzögerungen oder Lernschwierigkeiten. Die Integrationsklassen dürfen höchstens 20 Schüler haben. Je eine Klassenlehrerin, eine Erzieherin und eine Sonderpädagogin teilen sich die Betreuung. „Damit haben wir tolle Erfahrungen gemacht“, sagt Schulleiter Frank Behrens. Der Unterricht erfolgt weitgehend gemeinsam, zur Unterstützung der „I-Kinder“ werden Förderstunden für Psychomotorik und Sprache angeboten. Am Ende profitieren alle davon: „Man lernt, mit Verschiedenheit umzugehen“, sagt Behrens. Auch Miriam
Burkhardt-Etumnu vom Elternrat kann sich eine Schule ohne Integration kaum noch vorstellen: „Für mich war es immer unverständlich, dass nicht alle Menschen das gleiche Recht auf Bildung haben“, sagt sie.
Mit der neuen Senatsvorgabe „Inklusion“ geht die Schule spannenden, aber auch ungewissen Zeiten entgegen. Denn theoretisch müssen jetzt alle „behinderten“ Kinder genommen werden, die sich bewerben. Das können durchaus mehr als die bisher vier pro Jahrgang sein. Wie das gehen soll, weiß noch keiner. „Wenn auch wir als Integrationsschule die Ressourcen flächendeckend zugewiesen bekommen, dann können wir die Integration in der jetzigen Form nicht weiter machen“, so Behrens.


Umbau-Pläne: Im Sommer 2012 soll es los gehen

Hat ziemlich lange gedauert, aber jetzt ist der Um- und Ausbau der Schule Kielortallee wohl in Sicht. Im Sommer 2012 soll es losgehen. Das betagte Schulgebäude wird saniert, es gibt einen Anbau auf dem Schulhof. Der Sporthallentrakt wird durch einen größeren Neubau ersetzt. Insgesamt soll die Schule so zwei Sporthallen und eine angemessene Ausstattung mit Klassen- und Fachräumen bekommen. Gesamtkosten: 17,2 Millionen Euro. Vier bis fünf Jahre ist die Schule Großbaustelle. Um das Gedrängel etwas zu lindern, gibt es einen Ersatz-Pausenhof an der Sporthalle Bogenstraße. Dieser soll noch bis Ende 2011 hergerichtet werden. CV
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