Gedenken an Nazi-Opfer in Eimsbüttel

Astrid Barth (vorne, Mitte) von der Gottesdienstwerkstatt St. Stephanus erinnerte an das Leben des jüdischen Arztes Paul Unna junior, nach dessen Vater Paul Gerson Unna der Park nah der Osterstraße benannt wurde. Foto: rs (Foto: rs)

Vertriebene jüdische Geschäftsleute: Zwei Beispiele von Tausenden

Reinhard Schwarz, Eimsbüttel – Stellinger Weg 14: Hier hatte er seinen Laden. Leopold Külper, jüdischer Gebrauchtwarenhändler. Es ist nicht viel über sein Leben bekannt. Külper verlor in Nazi-Deutschland seine Existenzgrundlage. Tausende jüdische Gewerbetreibende wurden nach der Reichspogromnacht im November 1938 im Zuge der „Arisierung“ enteignet, ausgeplündert, vertrieben und später ermordet. Mitglieder der Kirchengemeinde Eimsbüttel erinnerten an Schicksale wie das von Külper. „Wir gedenken seiner stellvertretend für alle kleinen jüdischen Geschäftsinhaber“, sagte Elisabeth Mahmoudi von der Gottesdienstwerkstatt St. Stephanus.
Zu den Opfern gehörte auch die Familie Blumenthal, die in der Osterstraße 151-153 ein Geschäft für Damenoberbekleidung führte und im Heußweg 11 wohnte. Das Haus existiert heute nicht mehr, aber „Stolpersteine“ erinnern an die Familie. Auch die Blumenthals wurden enteignet, konnten aber noch rechtzeitig ihre Kinder nach England schicken, schildert Susanne Lohmeyer von der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel. Luis Blumenthal starb 1942 während einer Krebsoperation im jüdischen Krankenhaus, seine Ehefrau Selma wurde 1943 in das KZ Theresienstadt deportiert und im Mai 1944 in Auschwitz ermordet.
Über das Schicksal des Arztes Paul Unna, Sohn des Dermatologen Paul Gerson Unna (1850-1929), nach dem der Park nahe der Osterstraße benannt wurde, informierte Astrid Barth. Unna junior leitete auf dem Gelände des heutigen Unna-Parks ein großes Krankenhaus, das bei einem Bombenangriff völlig zerstört wurde. Fast alle Patienten, Ärzte und Pfleger kamen dabei um. Unna selbst durfte den auf seinem Grundstück errichteten Luftschutzbunker als „Nicht-Arier“ nicht aufsuchen – er wurde verschüttet.

Hintergrund: Pogromnacht


Seit neun Jahren erinnert die Gottesdienstwerkstatt St. Stephanus jeweils zur Pogromnacht an die Opfer. Am 9. November 1938 wurden unter dem Nazi-Regime jüdische Geschäfte zerstört und Synagogen in Brand gesteckt. Jedes Jahr wird an Stolpersteinen vertriebener und ermordeter jüdischer Menschen gedacht. „Wir wollen mit dem Rundgang auch darstellen, dass das Leben dieser Menschen – auch wenn sie überlebten – aufgrund ihrer Ausgrenzung zur Qual wurde“, so eine Teilnehmerin.
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