Gartenstreit in Hoheluft: Bäume (vorerst) gerettet

In Sorge um große alte Bäume, die gefällt werden sollen: Karolina Feddersen, Rebecca Thiede und Patricia Lehmann (v.l.) Vorerst dürfen die Bäume nicht umgehauen werden.

Gärtnerstraße 28: Bauherr darf nun nicht mehr fällen – aber was wird aus dem einst so schönen Grün vor der Haustür?

Wunderschöne Tulpenbeete, roter Rhododendron in einem Rondeel, blühende Bäume, gepflegte Rasenflächen: So sah es mal aus an der Gärtnerstraße 28. Doch das ist offenbar lange her. So lange, dass der Vermieter, die Friedrich und Dorothea Langbein-Stiftung, nun fast das ganze Grün vor der Wohnanlage in Hoheluft zu Parkplätzen umbauen will. Das geht zwar nicht so wie geplant, vorerst dürfen keine Bäume gefällt werden (siehe Kasten). Doch hinter dem Streit um Bäume steckt mehr: Es geht darum, was Grün überhaupt wert ist in einer Großstadt. Und was triftige Gründe sind, um es zu vernichten.
Die Wohnanlage in der Gärtnerstraße ist eine Rarität: Kleine Häuschen, zentral gelegen, zwar an einer vielbefahrenen Ecke, jedoch mit einen recht großzügigen Garten. Das Haus wurde um 1953 gebaut, ursprünglich stellte die Stiftung verarmten Handwerkern und Senioren günstige Wohnungen zur Verfügung.
Ältere Bewohner erzählen von den guten Zeiten, als eine Handvoll Mieter das Grün in Schuss hielt. Hedwig Haase (89) wohnt seit 40 Jahren in der Anlage und erinnert sich: „Das war wunderschön, ich habe hier im Garten auf der Liege gelegen.“ Auf Fotos aus einer Chronik ist die Schönheit des Gartens noch zu erkennen: Auf einer Bank genießen Bewohner freie Stunden, vorn beraten Mieter, was man noch pflanzen kann. Doch seit ein paar Jahren ist das vorbei. Das Grün verkam nach und nach. Eigenständiges Gärtnern wurde vom Vorstand der Stiftung nicht mehr so gern gesehen, berichten Mieter. „Es wurde verboten, im Garten selbst etwas zu pflanzen“, sagt Patricia Lehmann. Karolina Feddersen hatte ein hübsches Beet angelegt, die Stiftung habe es abräumen lassen. „Mieter dürfen hier nichts mehr pflanzen, aber die Firma tut auch kaum was“, klagt Feddersen.
Stiftungsvorstand Rainer Olaf Rave verteidigt sich: „Den Garten pflegt heute keiner mehr.“ Den Vorwurf, dass die Stiftung das Grün absichtlich vernachlässige, weist er zurück. Zudem finde er es nicht verwerflich, Mietern zu verbieten, „dort irgendwas zu pflanzen“.
Es gibt jetzt nur noch Fotos, wie schön es hier mal aussah, an der Gärtnerstraße 28 in Hoheluft, mitten in der Stadt.

Was genehmigt ist

13 Wohnungen im Dachgeschoss, 15 zusätzliche Parkplätze: Das ist laut Bezirksamt Eimsbüttel bisher an der Gärtnerstraße 28 genehmigt. Für vier Bäume, die für die Parkplätze weichen müssen, gibt es eine Fällerlaubnis. Aber der Bauherr darf die Bäume vorerst nicht umhauen: Die Frist zum Fällen lief am 28. Februar ab.
Stiftungsvorstand Rainer Olaf Rave hatte dem Wochenblatt gesagt, es gebe eine Sondererlaubnis zum Fällen. Das stimmt nicht, laut Amt gibt es keine Ausnahmegenemigung.
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3 Kommentare
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Ulf Bollmann aus Eimsbüttel | 15.03.2013 | 10:35  
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Jens Natter aus Eimsbüttel | 18.03.2013 | 11:29  
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Das Treibholz aus Finkenwerder | 11.05.2013 | 11:54  
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