Gartenstreit: Grün oder grau?

Mieterin Tanja Gwiasda präsentiert den Stumpf einer kürzlich gefällten Kopfweide. Daneben flattert rot-weißes Absperrband im Wind. Wofür, wissen die Mieter nicht. „Vielleicht soll jetzt nur noch ein Teil der Fläche mit Kies aufgefüllt werden“, mutmaßt Gwiasda. (Foto: cvs)

Vermieter will Garten mit Kies ausstreuen – Mieter wehren sich

Christopher von Savigny, Eimsbüttel – Grüne Oase oder graue Kieswüste? Für die Mieter des Wohnblocks Clasing-, Sellius- und Schwenkestraße steht es Spitz auf Knopf: Innerhalb der nächsten Wochen wird sich herausstellen, ob sie ihre über Jahre und Jahrzehnte gepflegten Gärten behalten dürfen oder ob das Areal – wie vom Vermieter gewünscht – doch eingekiest wird. Ende März trifft man sich vor Gericht, weil zwei Mietparteien eine einstweilige Verfügung gegen die laufenden Bauarbeiten erwirkt haben.
In diesen Tagen sprießen mit Storchenschnabel, Narzisse und Krokus die ersten Frühblüher aus dem Erdreich. Darüber freut sich Tanja Gwiasda, Mieterin einer Erdgeschosswohnung in der Clasingstraße. Früher habe sie ein richtiges grünes Dach über ihrer Veranda gehabt, erzählt sie. „Ich hatte da eine Kiwi wachsen, mit tollen großen Blättern!“ Von der Kiwi ist nicht viel mehr als ein kleiner Stumpf übrig, seit Ende 2012 die Sanierungsarbeiten an den Häuserrückfronten begannen. Ohne Rücksicht zu nehmen, rissen Bauarbeiter Pflanzen aus und kappten Baum und Strauch, um Platz für ihre Gerüste zu bekommen.
Das Gerücht, der gesamte Hof solle mit Kies verfüllt werden, machte die Runde. Die Mieter, die sich zum Teil seit 30 oder sogar 40 Jahren in Eigenregie um die Begrünung ihres Hinterhofs kümmern, können es nicht fassen. „Wir bekommen überhaupt keine Informationen“, sagt Gwiasda stellvertretend für die Mietergemeinschaft. „Man platzt vor Wut!“
Die Rechtslage ist heikel, weil in keinem Mietvertrag offiziell von einer Nutzung des Hinterhofs die Rede ist. Mietervereine verweisen aber auf das Gewohnheitsrecht. SPD, Linke und Grüne im Bezirk unterstützen das Anliegen der Mieter, ebenso der Naturschutzrat Hamburg: „Wir kämpfen für so viel Grün wie möglich in der Stadt, wo immer und wie kleinflächig es auch sein mag“, sagt dessen Vorsitzender Reinmar Grimm.
Gegenüber dem Wochenblatt hatte Vermieter Manfred Linden, Geschäftsführer der Treuhandgesellschaft Mentor, vor einigen Wochen bestätigt, das Areal einkiesen zu wollen. Inzwischen scheint der Ton etwas kompromissbereiter: „Wir wollen uns mit den Mietern einigen“, heißt es aus dem Büro von Mentor. Allerdings ohne Gewähr: Manfred Linden sei zurzeit im Urlaub und daher nicht erreichbar.
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