Ganztagsschule: Alle zufrieden?

Trubel an der Schule Lutterothstraße: Die Gruppen im Nachmittagsbereich traten zum zweiten Song-Contest an. Aus Sicht der Eltern läuft die Betreuung nach der Schulzeit gut – Skeptiker hatten das bezweifelt.
 
Hiphop, Soul, Hauptsache cool: So tanzte die Gruppe, die die USA vertrat.

Schule Lutterothstraße: Zwischenbilanz der Nachmittagsangebote nach zwei Jahren

Dudelsackspieler, Tänzerinnen in bunten Kleidern, coole Hiphopper und Schüler in Roboterkostümen: Was für ein Trubel an der Schule Lutterothstraße. Die Gruppen der Nachmittagsbetreuung feierten jüngst den zweiten Song-Contest (Gesangswettbewerb). Nach dem populären Vorbild der Fernsehshow vertraten die Schüler Länder: Brasilien, Österreich, Ecuador, Lettland, Ozeanien oder „Robotland“. Jubel und Beifallsstürme für die witzigen Auftritte: So viel Spaß kann es nachmittags in der Schule machen.
Die Schule Lutterothstraße gehörte 2010 zu den Pilotstand-orten, an denen die sogenannte offene Ganztagsschule im Testbetrieb eingeführt wurde (siehe Kasten). Das Konzept: Die Schüler haben bis 13 Uhr Unterricht, dann gibt es Mittagessen und verschiedene Kursangebote, die von einem Trägerverein, dem Stapellauf, organisiert werden. Skeptiker kritisierten dieses Modell als Billiglösung oder Aufbewahrung. Was ist da dran? Für Susanne Musfeldt-Wernecke nichts. „Das ist nicht nur eine Aufbewahrung. Die Erzieher bieten viele Sachen an – Mädchenfußball, Salsa, Trommeln, viel Sport“, sagt die Elternvertreterin für den Nachmittagsbereich. Anfangs holperte es zwar ein wenig, wenn die Schüler aus dem Unterricht mit Lehrern zum Nachmittagsbereich mit Erziehern und Betreuern wechselten. „Aber es hat sich gut eingespielt“, sagt Musfeldt-Wernecke.
Die Zahlen sprechen für das Modell: Von 290 Schülern sind 230 auch nachmittags in der Schule – also fast 80 Prozent. Bei Eltern und Kinder kommt das Angebot offenbar gut an.
Erzieherin Angelika Mathes zieht ebenfalls eine positive Bilanz: „Die Zusammenarbeit mit den Lehrern klappt immer besser. Wir wünschen uns aber noch mehr Kooperationszeiten, die bezahlt werden, damit wichtige Dinge nicht zwischen Tür und Angel besprochen werden müssen“, so die 30-Jährige. Diese wichtigen Absprachen machen die Lehrer bisher nämlich noch in ihrer Freizeit – also zusätzlich. Die Schulbehörde hatte versprochen, da nachzubessern. Das wird aber wohl erst im kommenden Schuljahr greifen.

Ganztagsschule: Welche Modelle gibt es?
Es gibt mehrere Formen der Ganztagsschule (GTS): Im wesentlichen unterscheiden sich die Angebote danach, ob alle Schüler verpflichtend dabei sind (gebundenes Modell) oder ob die Teilnahme freiwillig ist (offenes Modell). Beim gebundenen Modell ist der Unterricht als Ganzes auf den Tag aufgeteilt. Beim offenen Modell – ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen (GBS) – ist wie bisher bis 13 Uhr Schule, dann schließt sich das Nachmittagsangebot mit Kursen und Gruppenaktivitäten an. GBS wird bis 2013 die außerschulischen Hortangebote ersetzen oder diese an die Schule holen. Nach wie vor können sich Einrichtungen aber entscheiden, ob sie auch eine „richtige“ Ganztagsschule werden.
GBS wollen diesen Sommer die Schulen Brehmweg und Wegenkamp (beide in Stellingen) einführen, 2013 folgen die Schulen Kielortallee, Tornquiststraße und An der Isebek (alle in Eimsbüttel). Die Schule Rellinger Straße startet 2013 ebenfalls mit einem offenen Ganztagsangebot, das ein oder zwei Jahre später zu einem gebundenen Modell umgewandelt wird. Gebundene Ganztagsschulen sind bereits die Schulen Eduardstraße (Eimsbüttel), Vizelinstraße (Lokstedt), Molkenbuhrstraße (Stellingen) und Hoheluft.
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