Ganztagsschule – aber bitte mit Wahlfreiheit!

Fordern eine gute Ausstattung von zukünftigen Ganztagsschulen und die Wahlfreiheit der Eltern: Lili Gries und Jörg Gröndahl vom Bezirkselternausschuss Eimsbüttel. Foto: cv

Elterninitiative fordert bessere Konzepte als bisher vorgesehen

Mehr neue Ganztagsschulen, und zwar schnell – das ist eines der zentralen Ziele des SPD-Senats. Doch Eltern befürchten, dass Nachmittagsangebote überstürzt eingeführt werden – und nicht so gut sind wie etwa die bisherige Hort-
Betreuung nach Schulschluss. „Wir machen uns Sorgen um die Absenkung der Qualität“, sagen Lili Gries und Jörg Gröndahl vom Bezirkselternausschuss Eimsbüttel.
Zum einen halten sie das Tempo für zu schnell. 2012 sollen bereits viele weitere bisherige Grundschulen zu offenen Ganztagsschulen (GBS)werden. Das Konzept: Unterricht bis mittags, danach besondere Kurse, Sportangebote, Hausaufgabenhilfe. Die Schulbehörde unter Senator Ties Rabe (SPD)forciert diesen Trend. Hintergrund: Es ist geplant, bis 2013 das bisherige Hortsystem weitgehend abzuschaffen beziehungsweise an die Schulen zu verlagern.
Gries und Gröndahl vermissen dabei allerdings Augenmaß: „Man sollte sich erst einmal überlegen, wie man es macht, bevor es los geht.“ Ganzheitliches Lernen, gute Unterrichtskonzepte und vernünftige Räume gehören aus ihrer Sicht unbedingt dazu. In der Praxis sieht es so aus, dass an etlichen Schulen die Kinder im Klassenraum essen und Unterricht am Vormittag und Betreuung am Nachmittag nicht ausreichend aufeinander abgestimmt sind. Oft fehlen den Schulen etwa auch Bewegungsräume, wie sie viele Kitas bieten können.
Wichtig ist den Elternvertretern auch, dass die Eltern eine Wahl haben. Da derzeit die Ganztagsschule forciert werde, sei das kaum noch gegeben. „Es gibt einen Sog in diese Richtung. Wir brauchen aber auch weiterhin eine verlässliche Halbtagsschule“, so Gries. Zudem sei das GBS-Konzept zu starr, da es an drei Tagen zur Teilnahme verpflichte und andere Aktivitäten von Kindern einschränke.
Weiterer Haken: Der Betreuungsschlüssel in der Vorschule. Ein Lehrer sei da für bis zu 23 Kinder verantwortlich. Zum Vergleich: In der Vorschulgruppe eines Horts ist ein Erzieher für lediglich etwa zwölf Kinder zuständig.

Das sagt die Schulbehörde:
Ein Sog, gar Zwang zur Ganztagsschule? Das sieht die Schulbehörde anders. Laut Sprecher Peter Albrecht können Schulen selbst entscheiden, ob sie Ganztagsschule werden oder nicht. Sei ein Teil der Elternschaft für solche Angebote, so könne es eine offene Form geben, an der aber nicht alle Schüler teilnehmen müssten.
Eile? Die Schulbehörde müsse planen. „Da immer mehr Eltern eine ganztägige Betreuung für ihr Kind wünschen, besteht der dringende Bedarf, diese zusätzlichen Plätze auch so schnell wie möglich zu schaffen“, so Albrecht. Wenn Schulen im Sommer 2012 ganztägig werden wollen, müsse dies bis Ende 2011 beschlossen werden. Wer erst 2013 umsatteln will, muss dies bis März 2012 signalisieren.
Über flexiblere Abholzeiten bei der offenen Ganztagsschule und den Betreuungsschlüssel in der Vorschule gebe es Gespräche.
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1 Kommentar
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Christian Martens aus Eimsbüttel | 21.12.2011 | 11:07  
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