G20-Gipfel: Vier Tage Zwangspause

Vor den Sommerferien ist Hochsaison im Café Sternchance, aber die Mitarbeiter müssen vier Tage pausieren wegen G20. Foto: cv

Kulturhaus Sternchance im Schanzenpark muss schließen

Carsten Vitt, Eimsbüttel

Der 7. Juli 2017 ist ein begehrter Tag für Hochzeiten. 07.07.17: Das Datum ist lustig, das kann sich jeder gut merken. Es ist außerdem der 17. Geburtstag des Kulturhauses Sternchance, eines Stadtteiltreffs am Rande des Schanzenparks. Aber an diesem Freitag wird dort nichts gefeiert, das Haus ist geschlossen. Von Mittwoch, 5. Juli, bis einschließlich Sonnabend, 8. Juli. Wegen des G20-Gipfels. Gut 100 Meter weiter, in den Messehallen im Karolinenviertel, treffen sich die mächtigsten Staats- und Regierungschefs, um über Handelspolitik und über Klimaschutz zu verhandeln. Dem kleinen Kulturhaus mit Café und Restaurant gehen deshalb wichtige Einnahmen verloren.
Das Haus mit der gelben Holzfassade im skandinavischen Stil liegt in der Sicherheitszone, die während des G20-Gipfels nur Anwohner oder Mitarbeiter von Betrieben vor Ort betreten dürfen. Wenn sie sich vorher bei der Polizei angemeldet und ihren Ausweis vorgelegt haben. Unmöglich, unter solchen Umständen Feiern mit Dutzenden von auswärtigen Gästen zu veranstalten.
„Wir hatten bereits vor vielen Monaten Anfragen für Feiern. Wir hätten das Haus mehrfach vermieten können“, erzählt Sternchance-Leiterin Anne Knaack. Aber erst vor wenigen Wochen teilte ihr die Hamburger Polizei mit, dass ein Betrieb mit Gästen während des Gipfels nicht möglich ist. Knaack blieb nichts anderes übrig, als allen abzusagen und zu schließen. Sternchance trifft das empindlich: „Wir machen den meisten Umsatz in dieser Zeit“, sagt Knaack. Das Haus ist kein Kommerzbetrieb, sondern ein sozialer und kultureller Treffpunkt. Café und Feiern bringen den größten Teil des Geldes ein, um Betrieb und Erhalt des Hauses zu sichern.
Bereits im Dezember verhagelte das OSZE-Treffen, eine Art Generalprobe für den G20-Gipfel, Sternchance das Weih-nachtsgeschäft. Damals musste das Haus drei Tage schließen. „Eine Entschädigung wurde von der Polizei abgelehnt“, sagt Knaack. Sie wird nun wieder ihre Forderung auf Entschädigung stellen.
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