G20-Gipfel: Festival der Demokratie?

S-Bahnhof Sternschanze: Große Teile der Stadt verschwinden hinter Stacheldraht.
 
G20-Gipfel und US-Präsident Donald Trump direkt nebenan: Im Karolinenviertel unerwünscht.
Hamburg: Messehallen Hamburg |

Absperrgitter und Protest: Der Gipfel der Staatschefs zu Gast in Hamburg

„Ein Festival der Demokratie“ hatte Innensenator Andy Grote (SPD) vor ein paar Wochen zum G20-Gipfel versprochen. Hamburg sollte Autokraten und Populisten ein Vorbild sein für demokratischen Streit und zivilisierte Aus-
einandersetzung.
Kurz vor Beginn des Gipfels streitet Hamburg darüber, ob der Einsatz von gut 200 Polizisten gegen ein paar Dutzend Protestcamper mit Zelten verhältnismäßig war und ob dabei Gerichtsentscheidungen missachtet wurden. In Hamburg sei derzeit alles vorhanden, was die deutsche Polizei zu bieten hat, sagte Einsatzleiter Hartmut Dudde Mitte Juni. „Wenn wir es brauchen, packen wir alles aus.“ Eine Drohung?
G20 in den Messehallen bewegt die Stadt wie kaum ein Thema seit Jahren. Das Elbe Wochenblatt fasst die wichtigsten Infos zum Gipfel zusammen, berichtet über Folgen für Betriebe und Widerstand gegen das Polittreffen.

Widerstand macht kreativ

Karolinenviertel: Zwischen Gelassenheit und Wut

Die G20-Woche hat begonnen: Die erste Großdemonstration ist durch die Innenstadt gezogen, viele weitere werden bis Sonnabend durch St. Pauli, die Neustadt und das Schanzenviertel folgen. Aus dem protestfreudigen und widerstandserfahrenen St. Pauli kommt eine klare Ansage der Stadtteilversammlung: „Wir lehnen den G20-Gipfel und den mit ihm verbundenen Ausnahmezustand ab! Wir leben, wohnen und arbeiten hier – wir bleiben auf der Straße, ob der Gipfel kommt oder nicht!“ Der Gipfel mit seinen Staatsgästen wird kommen, die St. Paulianer sind schon da.
Mit Massen-Cornern (Treffen und trinken an zentralen Plätzen) und Protest-Rave (Demozug mit Musiktrucks) zeigen Bewohner und Besucher des Stadtteils, wem die Stadt und die Straßen gehören.
Im Karolinenviertel, das direkt an den Tagungsort Messehallen angrenzt, kommen auf die Bewohner und Gewerbetreibenden die stärksten Einschränkungen im Alltag zu: Ein massives Polizeiaufgebot vor der Tür, Zugangskontrollen und die Frage, ob Proteste gegen den Gipfel in Straßenschlachten münden. Viele Bewohner, vor allem Familien mit Kindern, verlassen das Viertel während der Gipfeltage.
Marga Glanz vom Plattenladen Groove City will bleiben. „Ich lasse mir das Viertel nicht wegnehmen. Wir machen weiter, auch wenn wohl keine Kunden kommen werden.“ G20 in der Stadt, und dann in diesem Viertel: „Wie kommt man auf diese Idee?“, fragt sie fassungslos. Sie ist wütend darüber, wie die Innenbehörde Widerstand gegen den Gipfel zu blockieren versuche. „Bürgermeister Olaf Scholz und Innensenator Andy Grote machen das Treffen hier, dann müssen sie auch den Widerstand ermöglichen!“
In der Marktstraße machen Ladenbesitzer Widerstand auf ihre Art: Aufrufe zu Demonstrationen hängen in den Schaufenstern. Banner mit Sprüchen wie „G20 – du solltest nicht hier sein“ oder „G20 – du Opfer“. Wer schließt, hinterlässt mitunter einen wunderbaren Spruch: „Bin weg. G 20 Bier holen“, hat ein Ladenbesitzer in leuchtenden Lettern auf sein Schaufenster geklebt.

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Auf die Straße!

Demos und Aktionen – eine Auswahl

Das Treffen der einflussreichsten Industrie- und Schwellenländer bringt Menschen in Bewegung. Etliche Demonstrationen und Aktionen sind angemeldet – das Spektrum der teilnehmenden Gruppen reicht von der Kirche bis zu Linksradikalen. Eine Übersicht.

❱ Mittwoch, 5. Juli, 18 Uhr: Nachttanzdemo, S Landungsbrücken

❱ Donnerstag, 6. Juli, ab 16 Uhr, „G20 – Welcome to Hell“, Protest antikapitalistischer Gruppen (Rote Flora-Umfeld), 19 Uhr: Start der Demo am Fischmarkt
❱ Donnerstag, 6., bis Sonnabend, 8. Juli, 19 Uhr: Discover the difference – G20 zwischen Debatte und Demo, Mut-Theater, Amandastraße 58

❱ Sonnabend, 8. Juli, ab 11 Uhr: Grenzenlose Solidarität statt G20, Deichtorplatz, Start der Demo um 13 Uhr
❱❱ www.g20-demo.de

❱ Sonnabend, 8. Juli, Haltung Hamburg, 12.30 Uhr, Dovenfleet / Brandstwiete
❱❱ www.hamburgzeigthaltung.de
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1 Kommentar
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Uwe Wienströer aus Altona | 10.07.2017 | 01:25  
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