„Froggy’s“: Johanna Tiedemann verabschiedet sich

„Froggy’s“-Inhaberin Johanna Tiedemann hört auf, Mitarbeiter „Carlo“ Carstens wird vermutlich bei den neuen Betreibern weitermachen. Die Kneipe in der Eimsbütteler Chaussee 29 gibt es bereits seit 20 Jahren.

Die Eckkneipe in Eimsbüttel gibt es seit 20 Jahren – nun zieht sich die Inhaberin zurück

Halb sechs abends. Die ersten Stammgäste genehmigen sich das zweite Bier und den dritten Korn im „Froggy’s“. Seit 20 Jahren gibt es die Eckkneipe in der Eimsbütteler Chaussee 29, sie ist eine der letzten urigen Gaststätten im Viertel. Fast jeder hat hier eine Anekdote parat, man könnte von den bekannten Leuten erzählen, die hier mal ein Bier getrunken haben: Peter Lohmeyer, Bela B., Slime-Sänger „Dicken“, Detlef Buck oder Roger Willemsen. Muss aber nicht sein. Erzählen wir von den Menschen, die den Laden hier aufgebaut und mit Leben gefüllt haben.
Inhaberin Johanna Tiedemann sitzt am Tisch in der Ecke, vor ihr ein Glas Wasser, hinter ihr eine Wand voller Fotos. Schwarz-Weiß, manche in Farbe. Bilder, Erinnerungen an Menschen, die hier Spuren hinterlassen haben. Ihr Sohn Caspar Tiedemann hat die Kneipe mit seiner späteren Frau
Heather im Oktober 1993 eröffnet. Als Irish Pub mit Livemusik und Lesungen haben die beiden den Laden etabliert, als sie beide noch studierten. „Wir hatten wunderbare Konzertabende. Anfangs gab es an drei Tagen in der Woche Livemusik“, erzählt Johanna Tiedemann. Das „Froggy’s“ ist eine der wenigen Kneipen mit einer Hausband gewesen: Caspar, Heather und Freunde spielten häufig nach Lust und Laune zusammen. Aber das war jäh vorbei: Im Dezember 2003 starb Caspar bei einem Unfall, er war 39. Ein Schock für die Familie.
Johanna übernahm die Kneipe gemeinsam mit ihrem Mann Jörn, damals im Hauptberuf noch Lehrer. Kräftige Statur, weißer Bart, Bass-Stimme, ein großes Herz. Der Wirt war ein Typ, eine Art Sozialarbeiter, der schnauzende Stammgäste auch mal ordentlich in die Schranken weisen konnte. Jörn Tiedemann starb im Januar 2012, mit 73 Jahren. Genauso alt ist seine Frau jetzt.
Mitarbeiter „Carlo“ Carstens erinnert sich noch an rührende Szenen aus den Anfangstagen des „Froggy’s“: „Hier unter den Tischen krabbelten unsere Kinder herum, spielten verstecken.“ Die Kinder sind längst erwachsen und gehen eigene Wege.
Johanna Tiedemann wird sich nun auch verabschieden: Sie gibt die Kneipe am 31. Oktober ab. „Ich kann das nicht mehr, ich hab keinen mehr, mit dem ich meckern kann“, sagt sie. Das „Froggy’s“ soll von den neuen Betreibern unter gleichem Namen weitergeführt werden.
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