Flüchtlingskinder müssen lange auf einen Schulplatz warten

In einer regulären Schule lernen Flüchtlingskinder am bes-ten – doch es dauert in Hamburg lange, bis Kinder dort einen Platz bekommen. Die Schulbehörde will das nun ändern. (Foto: panthermedia)

Unterkunft Vogt-Kölln-Straße: Seit Monaten nur provisorischer Unterricht – Senator Ties Rabe verspricht Verbesserungen

Ch. v. Savigny, Stellingen

Seit Januar leben gut 500 Flüchtlinge im Erstaufnahmelager (ZEA) in der Vogt-Kölln-Straße in Stellingen – Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen kümmert sich seither der pensionierte Lehrer Hans Dall (64) um den Deutschunterricht für die erwachsenen Bewohner. Das Angebot wird nach Auskunft der freiwilligen Lehrkräfte rege genutzt.
Problematisch findet Dall jedoch die Situation der jüngeren, unter 15 Jahre alten Flüchtlinge. „Seit März erhalten die Kinder im Schichtbetrieb zwei bis drei Unterrichtsstunden pro Tag, also zehn oder 15 Stunden pro Woche“, berichtet er. Rund 20 Kinder säßen zusammen in einem kleinen Containerraum, „in den nicht einmal normale Tische zum Schreiben und Malen hineinpassen“. Dall möchte erreichen, dass die geflüchteten Kinder – die meisten von ihnen hätten seit zwei Jahren kein Klassenzimmer von innen gesehen – eine normale Schule besuchen können. „Dort hätten sie Kontakt zu Gleichaltrigen, was das Sprachlernen und die Integration fördern würde“, ist sich Dall sicher.

Bisher galt: Keine Wohnung, kein Schulplatz


Einen großen Teil des Problems macht die prekäre Wohnsituation in der Hansestadt aus: So findet der überwiegende Teil der Geflüchteten trotz bereits anerkanntem Aufenthaltsstatus keine neue Bleibe – weder privat noch in einer Folgeunterkunft. Sie sind daher deutlich länger in einer Erstaufnahme als vorgesehen, und die Kinder dürfen so lange keine reguläre Schule besuchen. Argument der Schulbehörde: Sie müssten nach einem erfolgten Umzug die Schule wieder wechseln. Das sei „sehr misslich, nicht nur organisatorisch, sondern auch für die Kinder, die dringend stabile Gruppen und Bezugspersonen brauchen“, sagte Behördensprecher Peter Albrecht auf Wochenblatt-Anfrage vor zwei Wochen.
Dall überzeugt dieses Argument nicht: „Tausende von Hamburger Schülern sind jedes Jahr mit dem Problem eines Schulwechsels konfrontiert.“ Die positiven Auswirkungen würden weitaus schwerer wiegen. „Ich finde das durchaus zumutbar!“
Das hat mittlerweile auch Schulsenator Ties Rabe (SPD) eingesehen: Kinder aus ZEA sollen demnächst reguläre Schulen besuchen.

Weiterer Bericht: So läuft der Unterricht
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