Flüchtlingsdorf in Lokstedt: "Angenehm überrascht"

Auf dem vormaligen Parkplatz an der Lokstedter Höhe ist nun eine Flüchtlingsunterkunft.

Nach der ersten Aufregung wollen viele Bürger den Flüchtlingen helfen – Runder Tisch geplant

Der Mann vom Wachdienst ist gerade der gefragteste Helfer. Er spricht Russisch und kann daher Fragen der Flüchtlinge übersetzen. Seit Mittwoch leben in der Notunterkunft an der Lokstedter Höhe die ersten Flüchtlinge, überwiegend Familien aus Tschetschenien. Der Betreiber der Unterkunft, das städtische Dienstleistungsunternehmen Fördern und Wohnen (F + W), hat bisher keine Übersetzer engagiert.
Es wird improvisiert: Der russischsprachige Wachmann schreibt in Kyrillisch auf einen Zettel, wann Frühstück, Mittagessen und Abendessen sind. Holger Nuss, F+W-Sozialmanager, freut sich. „Das können wir dann kopieren und aushängen.“ Na ja, ein Kopierer muss auch erst noch aufgebaut werden.
Knapp 90 Container sind auf der vormaligen Parkfläche nahe der U-Bahn-Station Hagenbecks Tierpark aufgestellt worden. Bisher sind etwa 60 Menschen in die kleinen Wohnkammern eingezogen, nächste Woche sollen weitere 80 hinzukommen. Kinder laufen lachend umher oder malen mit Kreide auf den Asphalt, ein Junge spielt Fußball. Eine Gruppe Männer steht in der Ecke, raucht, unterhält sich.
„Mein Kind ist krank, ich bin krank. Wie lange bleiben wir hier?“, fragt eine Frau mit einem kleinen Baby auf dem Arm. Nuss bittet sie per Übersetzer um Geduld, es sei eine Notsituation, alles dauere ein bisschen. F + W ist mit drei Mitarbeitern vor Ort: Einer fürs Soziale, einer für die Verwaltung, einer fürs Technische. Essen wird von einem Caterer angeliefert.
Nach der ersten Aufregung um die eilig beschlossene Unterkunft haben sich viele Initiativen, Einrichtungen und Bürger aus dem Umfeld bereit erklärt, zu helfen. „Ich bin angenehm überrascht, wie positiv die Menschen aufgenommen wurden“, sagt Nuss. Er bittet jedoch um Geduld, da sich die Bewohner des Containerdorfs erstmal einleben müssen. Spenden wie Kleidung oder Spielzeug könnten aus Platzmangel gar nicht gelagert werden. Bis zum Runden Tisch (siehe Kasten) sollten Engagierte warten.
Immerhin gibt es bald wohl einen Dolmetscher: Die russisch-orthodoxe Kirche will mit einem Übersetzer aushelfen.

Runder Tisch geplant


Viele Bürger und Einrichtungen wollen helfen – dafür soll es einen Runden Tisch geben, bei dem Engagierte beraten, wie die Flüchtlinge am besten unterstützt werden können. Ein Termin steht bisher noch nicht fest. Wer mitmachen möchte, wendet sich an das Bezirksamt Eimsbüttel, 428 01 20 53.
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