Fingerabdruckscanner auch an Eimsbütteler Schulen

Die Berichte über Fingerabdruckscanner, die in Schulkantinen aufgestellt wurden, um per Abdruck das Essen zu bezahlen, erregten in den letzten Tagen viel Aufmerksamkeit nicht nur in Hamburg, sondern auch überregional. Besondere Kritik erntete der Umstand, dass Grundschüler, deren Eltern auf die alternative Zahlungsoption mittels einer RFID-Chipkarte bestanden, zur Abgabe ihres Fingerabdrucks durch das Kantinenpersonal genötigt wurden. Ihnen wurde teilweise versichert, dass die Eltern einverstanden wären und sie ohne Fingerabdruck kein Essen bekämen.

Nun ist auch ein Fall an der Eimsbütteler Ida-Ehre-Schule bekannt geworden: Der Vater einer Schülerin berichtete, dass seiner Tochter ebenfalls das Essen verweigert worden war, da sie ihren Fingerabdruck nicht abgeben wollte.

Beide Technologien, Fingerabdruckscan und RFID-Chipkarte sind erprobt und funktionieren zur Identifikationszwecken gut. Dennoch sind sie noch nicht so weit verbreitet, dass die Fakten weithin bekannt sind (einen kurzen technischen Überblick über Missbrauchspotential und Gefahren dieser Techniken finden Sie am Ende des Artikels).

Die Fingerabdruckscan-Methode birgt jedoch bei einer Verwendung an Schulen durch ein Wirtschaftsunternehmen einige Probleme:

- Die Methode ist nicht durch die Behörde für Datenschutz zertifiziert. Was mit den Abdrücken geschieht, ist unklar.
- Das Abnehmen der Fingerabdrücke ist eine Maßnahme, die erkennungsdienstlichen Zwecken vorbehalten ist (oder hochsensiblen Sicherheitsbereichen z. B. in Firmen). Das Auslesen weniger Punkte ist ebenfalls aus der Fahndungspraxis bekannt, um eine Vorauswahl der gespeicherten Abdrücke per Abgleich treffen zu können (Ausschluss aller Abdrücke, die über die sechs Punkte nicht verfügen).
- Kinder werden an die selbstverständliche Erfassung biometrischer Daten nicht nur durch den Staat, sondern auch durch Wirtschaftsunternehmen wie Caterer gewöhnt und sehen dies als selbstverständlich an. Dies erzieht Kindern und Jugendlichen gezielt ab, bewusst mit sensiblen Daten umzugehen oder dies zu lernen.
- Das Gebot der Datensparsamkeit wird missachtet.


Einerseits bringt man Kindern und Jugendlichen bei, vorsichtig mit persönlichen Daten im Internet umzugehen, was bis hin zum Verbot, sozialer Medien wie Twitter oder Facebook zu nutzen, reicht - oder zur Verteufelung von Internet und sozialer Medien durch Politiker.
Andererseits gestattet eine Behörde einem privaten Wirtschaftsunternehmen, Fingerabdruckscanner zu installieren. Kinder und Jugendliche werden angehalten, sensible biometrische Daten, ihren Fingerabdruck, diesem Unternehmen zu überlassen.
Diese Diskrepanz harrt bisher noch einer plausiblen Erklärung durch die für diese Maßnahmen Verantwortlichen.

Was kann man tun?

- Informieren Sie sich!
- Wenn Sie keinen Fingerabdruckscan Ihrer Kinder wünschen, halten Sie diese dazu an, sich auf keinen Fall an diesem Verfahren zu beteiligen
- Beschweren Sie sich bei der Schule, der Behörde für Schule und Berufsausbildung (http://www.hamburg.de/bsb/bsb-kontakt/) und bei Schulsenator Ties Rabe (SPD).
- Schließen Sie sich mit Gleichgesinnten zusammen und protestieren Sie gemeinsam!
- die Piratenpartei Hamburg bereitet eine Internetpräsenz vor, die Hamburger Schulen auflistet, an denen Fingerabdruckscans zur Bezahlung des Schulessens verwendet werden. Dort werden weitere Informationen kompakt aufbereitet. Bitte melden Sie Schulen, Kitas und ähnliche Eindrichtungen an fingerprint@piratenpartei-hamburg.de


Wegen des in mehr als einer Hinsicht zweifelhaften Verfahrens prüft der Hamburger Datenschutzbeauftragte, Prof. Dr. Johannes Caspar, die Möglichkeit, ein Verfahren gegen die entsprechenden Stellen einzuleiten.

Weitere Informationen

Mitteilung des Chaos Computer Clubs zum Thema
Keine Mahlzeit mehr ohne Fingerabdruck
Grundschul-Kantinen: Unbedenklichkeit der Fingerabdruck-Technologie nicht belegt
Datensparsamkeit und Datenvermeidung

Kurzer technischer Abriss


RFID-Chips sind in Karten eingelassen, die mittels Lesegerät ausgelesen werden. Wie sicher die Chips vor Manipulation und dem Auslesen durch Unbefugte sind, hängt von dem verwendeten Chip ab. Ob die in den Kantinen verwendeten Chipkarten vor Fremdauslesen sicher sind, ist uns bisher nicht bekannt. Ob dies datenschutzrechtlich bedenklich ist, hängt von dem Gespeicherten ab: Wurde nur eine Kennnummer gespeichert, von der man nicht auf die damit verknüpften Angaben schließen kann, ist dies unkritisch. Wenn jedoch persönliche Daten wie Name, Adresse oder die Berechtigung zu einem ermäßigten Essenspreis dort gespeichert sind, ist dies datenschutzrechtlich inakzeptabel.

Fingerabdruckscans werden oft zur Identifikation von Personen in besonders gesicherten Gebäuden verwendet. Der Vorteil der Methode ist, dass die Abdrücke schnell auslesbar sind und - anders als Schlüssel oder Chipkarten - nicht verloren oder vergessen werden können. Der Nachteil ist, dass Fingerabdrücke relativ einfach zu fälschen sind (Anleitungen finden sich für Interessenten übrigens im Internet). Datenschutzrechtlich dürfte die Methode an sich relativ unbedenklich sein, da kaum die Gefahr besteht, dass die Fingerabdrücke von Dritten ausgelesen werden oder mit den damit verknüpften persönlichen Daten zusammengeführt werden können.
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