Fall Yagmur: Ermittlungen eingestellt

Staatsanwaltschaft: Jugendamtsmitarbeiter haben zwar nicht pflichtgemäß
gehandelt – trotzdem tragen sie keine Mitschuld am Tod des Kindes.

ch.handke, Hamburg

Ein kurzes, schreckliches Leben: Yagmur Y., am 9. Oktober 2010 geboren, starb drei Jahre später am 18. Dezember 2013 an den Folgen von Misshandlungen durch ihre eigene Mutter. Hätten Jugendamtsmitarbeiter das verhindern können? Diese Frage hat die Staatsanwaltschaft jetzt mit „wahrscheinlich nicht“ beantwortet und das Ermittlungsverfahren gegen die zuständigen Mitarbeiter eingestellt.
Yagmurs Familie stand unter Aufsicht auch des Eimsbütteler Jugendamts; die Mitarbeiter sollten sich darum kümmern, dass es dem Kind gut ging. Es war bekannt, dass Yagmurs Mutter Probleme hatte – ihr älteres Kind lebte bei den Großeltern, Yagmur war zeitweise bei Pflegeeltern untergebracht, wurde dann aber wieder der leiblichen Mutter zugesprochen.
Hatten die mit dem Fall beauftragten Jugendamtsmitarbeiter sich mit dieser und anderen Entscheidungen am Tod des Kindes mitschuldig gemacht? Die Staatsanwaltschaft ermittelte, ob sie unter anderem wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassung und Verletzung der Fürsorgepflicht im Zusammenhang mit dem Tod des kleinen Mädchens belangt werden können. Und kam jetzt zu dem Ergebnis: Nein, die Jugendamtsmitarbeiter können nicht belangt werden.
Die Prüfung der Akten habe zwar ergeben, dass zwei Mitarbeiter des Jugendamts tatsächlich ihre Sorgfaltspflicht verletzt und die große Gefahr, in der sich das Kind befand, verkannt hätten. Ob sie aber Yagmurs Tod hätten verhindern können, wenn sie richtig und sorgfältig vorgegangen wären – das sei nicht mit Sicherheit festzustellen.
Oberstaatsanwältin Nana Frombach in einer aktuellen Presseerklärung: „Yagmur wäre möglicherweise auch bei pflichtgemäßem Verhalten der Jugendamtsmitarbeiter im Haushalt der Eltern misshandelt und getötet worden“.
Für den Tod des Kindes wurde Yagmurs zur Tatzeit 27-jährige Mutter Melek Y. Ende 2014 wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstraße verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da die Angeklagte Revision beantragt hat.
Yagmurs Vater Hüseyin Y., zur Tatzeit 25-jährig, wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung Schutzbefohlener zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Er hatte seine Tochter nicht geschützt, obwohl er wusste, dass das Kind von der Mutter schwer misshandelt wurde.
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