Fahrradstation Grindel (vorerst) gerettet – aber wie gehts weiter?

Service rund ums Rad für Studierende: Hans-Joachim Meier (61) arbeitet in der Fahrradstation auf dem Campus. Wie es für ihn und die anderen Mitarbeiter langfristig weitergeht, ist derzeit offen.
 
Thorsten Rusche und Grietje Bergmeyer: „Wir brauchen ein klares Votum, dass die Radstation gewünscht ist.“

Cafébetrieb rund ums Rad geplant – doch das Studierendenwerk bremst

Die von der Schließung bedrohte Fahrradstation auf dem Campus der Universität Hamburg kann weitermachen. Mit einem Zuschuss von der Bezirksversammlung Eimsbüttel ist der Betrieb vorerst gesichert. Ob es dauerhaft weitergeht, ist offen.
Leiter Thorsten Rusche und vier Mitarbeiter kümmern sich darum, dass Studierende für relativ wenig Geld ihre Räder in Schuss halten können. Es gibt einen Reparaturservice, die Radfahrer können aber auch selber an ihren Gefährten schrauben, die Mitarbeiter geben Tipps. „Bis zu 16.000 Nutzer kommen pro Jahr zu uns“, sagt Rusche. Das Problem: Der soziale Betrieb nimmt nicht genug ein, um dauerhaft überleben zu können. „Service, Reparatur und Selbsthilfe tragen sich nicht allein“, so Grietje Bergmeyer vom Beschäftigungsträger Einfal, der die Station betreibt.
Die rettende Idee: Die Fahrradstation soll um einen Café- und Bistrobereich zu einem
Cycle-Café erweitert werden. „So könnten wir weitgehend unabhängig von öffentlichen Zuschüssen ausgeglichene Betriebsergebnisse erzielen“, erklärt Bergmeyer.
Das neue Konzept stößt jedoch auf Widerstand: Das Studierendenwerk, Betreiber der Mensen auf dem Campus, lehnt das Cycle-Café ab, angeblich aus Angst vor Konkurrenz. Rusche und Bergmeier können dieses Argument nicht so recht nachvollziehen, da es lediglich um etwa 35 Plätze gehen soll. Ein Klacks im Vergleich zu Hunderten von Plätzen in den Uni-Kantinen. Moritz Lamparter von der Studierendenvertretung Asta macht sich stark für die Radstation: „Es ist perfekt, wenn es hier auf dem Campus eine Reparaturmöglichkeit für Räder gibt.“ Das Cycle-Café hält er für eine „sehr gute Ergänzung“ zu den Uni-Mensen.
Eine Entscheidung soll nun im Beirat der Radstation fallen. In dem Gremium sitzen außer Vertretern von Uni und Asta auch das Bezirksamt, Radfahrverbände, Einfal und die Polizei. „Langsam aber sicher geht uns die Luft aus, in einem ständigen Entwicklungsprozess zu sein. Wir brauchen ein klares Votum, dass die Radstation gewünscht ist“, so Rusche und Bergmeyer.

Sozialer Betrieb


In der Fahrradstation finden Menschen eine Perspektive, die zuvor arbeitslos waren und nun auf Zeit wieder eine feste Stelle bekommen. Dafür gibt es Zuschüsse vom Arbeitsamt. Die Stellen sind aber immer befristet - ein Grundproblem. Seit Herbst 2011 ist die Fahrradstation in Turbulenzen. Damals mussten etwa 20 Ein-Euro-Jobber gehen - zwischendurch war Thorsten Rusche, Leiter der Fahrradstation, mit einem Lehrling allein für den Betrieb zuständig. Derzeit gibt es vier geförderte Stellen für Mitarbeiter. Mit einem Zuschuss der Bezirksversammlung Eimsbüttel – knapp 19.000 Euro – können die Stellen vorerst gesichert werden. Die Fahrradstation soll im Gegenzug bis 2016 geöffnet bleiben.
Das geplante Cycle-Café soll ein Integrationsbetrieb werden, der auch schwerbehinderten Menschen einen Arbeitsplatz bietet. So soll die soziale Ausrichtung beibehalten werden.
Die Fahrradstation gibt es seit 2003 in dem kleinen Bau zwischen Audimax und Philosophenturm. Vorläufer war Campusrad - eine reine Selbsthilfewerkstatt, die Mitte der 90er Jahre gegründet wurde.
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