Erst brennt's - und dann wird die Miete erhöht

Bewohner Michael Reich im Keller der Schwenckestraße: Seinen richtigen Namen will er aus Angst vor der Saga/GWG nicht nennen.

Schwenckestraße: Bewohner sollen nach Schadensfall plötzlich mehr zahlen.

Von Christopher von Savigny.
Taghell ist der Kellergang unter den Häusern Schwenckestraße 53-57 ausgeleuchtet. Alle zwei bis drei Meter hängt eine nackte 60-Watt-Glühbirne von der niedrigen Decke. Bei dem grellen Licht lassen sich die bislang erfolgten Reparaturen mühelos begutachten: Wände und Decken sehen wieder halbwegs sauber aus. Verbrannte Kellertüren wurden durch neue ersetzt. Verschmorte Kabel wurden ausgetauscht oder geflickt. Mieter Michael Reich* ist dennoch unzufrieden: „Gestrichen haben sie noch noch nicht“, stellt er fest. „Und die Kabel hängen lose herum. Das ist doch gefährlich!“ Auch könne man die Beleuchtung nicht ausschalten. „Seit fünf Monaten brennt hier unten Licht“, schimpft er. „Die Kosten müssen am Ende doch wieder die Mieter zahlen.“
Anfang Februar hat es im Keller der Saga/GWG-Häuser in der Schwenckestraße gebrannt. Zwar kamen die Bewohner einigermaßen glimpflich davon, aber Feuer und Rauch zerstörten Stromkabel und schwärzten Wände. Eine Woche lang hatten die Mieter keinen Strom. In Reichs Kellerabteil verbrannten ein Fernseher und ein Kühlschrank. Schaden: rund 500 Euro.
Eine Entschädigung für seinen Verlust hat Reich nie bekommen. Umso größer der Schock, als den Bewohnern jetzt eine Mieterhöhung ins Haus flatterte. Eigentlich nichts Weltbewegendes: Nur ein paar Euro mehr pro Monat muss Reich ab Oktober zahlen. „Aber es geht mir ums Prinzip“, sagt er. „Wer die Miete erhöht, muss auch etwas dafür tun.“
Laut Saga/GWG sind von der Erhöhung die Häuser 41 bis 57 betroffen. Mit dem Brand habe die Mietsteigerung nichts zu tun. „Das sind unterschiedliche Sachverhalte“, sagt Sprecherin Kerstin Matzen. Immer zum Herbst werde die Miete an den mittleren Mietenspiegel angepasst – völlig unabhängig von der Vorgeschichte. Bis zu zehn Prozent Steigerung sind gesetzlich möglich. Als Ausgleich für ihre Schäden hätten einige Mieter bis zu 100 Prozent Mietminderung in Anspruch genommen. Und zum Thema Reparaturen: „Es stehen noch letzte Isolier- und Malerarbeiten aus, die kurzfristig abgeschlossen werden“, so Kerstin Matzen. „Der Gesamtschaden des Brandes beläuft sich auf rund 200.000 Euro.“
*Name geändert

Das sagt der Mieterverein: Stefan Schmalfeldt, Rechtsberater beim Mieterverein zu Hamburg, pflichtet der Saga bei: „Mieterhöhungen können immer unabhängig behebbarer Mängel gemacht werden. Unter Umständen kann man nach Schäden Mietminderungsansprüche geltend machen. Das sind aber zwei Paar Schuhe."
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