Erst Bier und Wodka, dann die Schanzen-Randale

Die Überwachungskamera zeichnete auf, wie der Mob sich in der Drogerie bediente. (Foto: Polizei)

„Brave Jungs“ stürmten am 1. Mai 2010 Drogeriefiliale am Schulterblatt – jetzt wurden sie verurteilt

Von Reinhard Schwarz, Sternschanze – Die Rossmann-Plünderung vor Gericht: Am 1. Mai 2010 stürmte ein Mob die Filiale am Schulterblatt. Zwei der Täter konnten mittlerweile identifiziert werden und standen vorigen Donnerstag vor Gericht. Die Anklage: Schwerer Landfriedensbruch, Höchststrafe: zehn Jahre. Auf der Anklagebank: zwei sympathische junge Männer, zur Tatzeit 18 und 22 Jahre alt. Der jüngere von ihnen, Marc H. (Name geändert), gilt als einer der Anführer. Laut Zeugenaussage soll er mit den Worten „Lass mal den Rossmann stürmen“ andere angestiftet haben. Auch Sven P. (Name geändert) war dabei, habe aber schnell die Filiale verlassen, „als der Alarm losging“. H., ein schlaksiger Typ mit längerem Haar, habe die Drogerie-Tür eingetreten. Die Gruppe stürmte das Geschäft, einige plünderten. H. gehörte nachweislich nicht zu den Plünderern. Beide Angeklagten haben einen Realschulabschluss, eine Elektronikerlehre erfolgreich abgeschlossen und sind mittlerweile in festen Jobs.
„Das Maß der Gewalt ist erschreckend“, stellt die Staatsanwältin fest. „Zwei ganz junge Menschen, die in ihrem Leben bisher nichts gemacht haben, brave Bürger, die zu Chaoten mutierten.“ Die Angeklagten selbst haben auch keine rechte Erklärung für das Geschehen. „Wir hatten was getrunken, dann gingen die Krawalle los“, erinnert sich Sven P., kurze blonde Haare. „Bier und Wodka“, sagt Marc H. „Sobald eine Flasche leer war, wurde eine neue geholt.“
„Irgendwann ging es ein bisschen los, dann wurde es immer doller“, umschreibt H. die Stufen der Eskalation. „Das war keine intelligente Aktion“, kommentiert er kleinlaut. Vor allem eine teure Aktion. Marc H. hat inzwischen 7.500 Euro von seinen Ersparnissen an Rossmann gezahlt. Der Schaden beträgt insgesamt 15.000 Euro. Die Richterin honoriert Geständnisse und Reue. Marc H. wird noch nach Jugendstrafrecht zu zehn gemeinnützigen Arbeitsleistungen à sechs Stunden verurteilt, Sven P. nach Erwachsenenstrafrecht zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung. Zudem muss er die andere Hälfte der Schadenssumme an Rossmann zahlen.
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